Gottes Segen für die neuen Wege

Azubi-Gottesdienst: Mit Mut in die Ausbildung

Die Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg.
Die Hauptkirche St. Michaelis in Hamburg.© fotoVoyager, iStock

24. August 2026 von Hannah Reinhard

Mit dem Ausbildungsstart beginnt für Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt - und das ist nicht immer einfach. Im Hamburger Michel soll ihnen mit einem Gottesdienst Mut zugesprochen werden.

Der Schritt von der Schulbank in den Berufsalltag bringt viele Veränderungen mit. Für Jugendliche, die sich für eine Lehre statt für das Abitur oder ein Studium entscheiden, ändert sich der Alltag radikal. In der Gesellschaft würde diese Veränderung im Leben der Jugendlichen aber nicht ausreichend wahrgenommen, sagt Britta Osmers.

Leonie und Britta im Michel.
Leonie macht eine Ausbildung zur Bestatterin. Gemeinsam mit Britta Osmers bereitet sie den Azubi-Gottesdienst im Michel vor.© Hannah Reinhard

Seit über 30 Jahren macht sie Jugendarbeit an der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis. „Die Jugendlichen fangen ihre Ausbildung an und sind auf einmal total erwachsen“, erklärt sie.

Im Michel findet deshalb seit 2018 ein Ausbildungsgottesdienst statt. Gemeinsam mit Institutionen wie der Handelskammer organisiert der Michel diesen Gottesdienst, um den Jugendlichen Mut zu machen für den Start ins Berufsleben. In diesem Jahr beginnt der Gottesdienst mit Bischöfin Kirsten Fehrs am Donnerstag, 27. August, um 17 Uhr.

Psychische Belastung für Azubis

Denn obwohl zu einer Ausbildung weiterhin Unterricht dazugehöre, sei der Unterschied zur Schule enorm: „In der Schule reicht es oft auch, wenn man physisch anwesend ist. Das geht im Beruf halt nicht“, sagt Osmers.

Wie belastend die Ausbildungszeit sein kann, bestätigt eine aktuelle Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Mit 50,6 Prozent fühle sich rund die Hälfte aller Auszubildenden psychisch belastet. Eine zentrale Rolle dabei würden „Leistungs- und/oder Zeitdruck, Personalmangel und Verantwortungsdruck“ spielen, heißt es im DGB-Ausbildungsreport.

Im Beruf gibts kein hitzefrei

Britta Osmers ist in ihrer Arbeit am Michel nah dran an den Jugendlichen und weiß genau, was sie im Berufsalltag belastet. „Wenn Schüler bei mir Praktikum machen, merke ich das schon. Wenn es besonders warm ist zum Beispiel, denken sie daran, dass sie in der Schule jetzt hitzefrei hätten. Aber im Berufsleben gibt es kein Hitzefrei“, erklärt sie.

Auszubildende müssten arbeiten, wenn ihre Freundinnen und Freunde, die weiter zur Schule gehen, Ferien haben. „Ich will, dass das in der Stadt und Gesellschaft mehr wahrgenommen wird, was das für ein Schritt ist“, sagt Osmers.

Gegen Stigmatisierung

Beim Ausbildungsgottesdienst werden fünf Auszubildende sprechen. Die Ausbildungsberufe, in denen sie arbeiten, sind vielfältig: Zwei von ihnen gehen zur Pflegeschule, eine wird Erzieherin, eine andere wird im Büromanagement ausgebildet. Mit dabei ist auch die 17-jährige Leonie aus Steilshoop. Sie absolviert zurzeit eine Ausbildung zur Bestatterin.

„Ich finde es wichtig, den Leuten zu zeigen, dass eine Ausbildung genauso wichtig ist wie das Abitur. Dass Fachkräfte ja sogar gebraucht werden“, erklärt sie. Denn die Entscheidung gegen das Abitur und für den Ausbildungsstart sei immer noch stigmatisiert.

„Bei mir in der Schule wollten alle das Abitur machen“, erinnert sie sich. Auch für die Eltern ihrer Mitschülerinnen und -schüler wäre es keine Option gewesen, dass ihre Kinder statt dem Abitur eine Ausbildung beginnen.

Eine Entscheidung mit Zukunft

„Viele denken, dass Abitur mehr Zukunft hat. Und das stimmt halt einfach nicht“, sagt Leonie. Dass gerade in Ausbildungsberufen in Zukunft viele Stellen aufgrund von Mangel an Nachwuchs unbesetzt bleiben werden, hat eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) bereits im vergangenen Jahr herausgestellt.

Den Angaben zufolge würden im Jahr 2028 insgesamt 768.000 Fachkräfte in Deutschland fehlen. Zu den Bereichen mit dem größten Mangel an Nachwuchs gehörten etwa die Betreuung in Kitas und die Metallbearbeitung.

Ihre Ausbildung hat Zukunft, ist sich auch Leonie sicher. Als angehende Bestatterin habe sie aber nicht nur die Stigmatisierung des Ausbildungsberufs und die radikale Veränderung in ihrem Alltag überwunden. Denn als Bestatterin beschäftige sie sich vor allem mit Tod und Trauer. „Am Anfang hatte ich auf jeden Fall Respekt. Also ich würde sogar schon Angst sagen, das war wirklich eine Überwindung“, sagt sie.

Mut machen

Mittlerweile ist Leonie aber in ihrer Ausbildung angekommen. Sie mag ihren Beruf und ist froh, die Ausbildung begonnen zu haben. „Ich finde es schön, Menschen dabei helfen zu können, einen Abschied zu gestalten - einen Abschied, den sie brauchen, und der auch zu ihnen passt.“

Beim Azubi-Gottesdienst im Michel hofft sie deshalb, anderen angehenden Azubis Mut zu machen: Mit einer Ausbildung müsse sich niemand verstecken.

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