Landessynode

Engagiert und humorvoll: Hamburgs Bischöfin Kirsten Fehrs stellt sich zur Wiederwahl

Nach zehnjähriger Amtszeit stellt sich Bischöfin Kirsten Fehrs am Sonnabend (5. Juni 2021) zur Wiederwahl.
Nach zehnjähriger Amtszeit stellt sich Bischöfin Kirsten Fehrs am Sonnabend (5. Juni 2021) zur Wiederwahl. © Marcelo Hernandez, Nordkirche

03. Juni 2021 von Thomas Morell

Nach zehnjähriger Amtszeit stellt sich die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs (59) am Sonnabend (5. Juni) im Michel zur Wiederwahl. Eine Gegenkandidatin gibt es nicht, die 156 Synodalen stimmen digital von zu Hause aus ab.

Aufgewachsen ist Fehrs an der schleswig-holsteinischen Westküste als Tochter des Bürgermeisters in Wesselburen. Schon als Jugendliche leitete sie dort ihren ersten Gospel-Chor. Bis heute gehört neben dem Joggen die Musik zu ihren großen Leidenschaften.

Nach ihrem Studium in Hamburg war sie Gemeindepastorin im holsteinischen Hohenwestedt und Bildungsreferentin. Seit ihrer Tätigkeit als Personal- und Organisationsentwicklerin ist sie mit den Binnenstrukturen und Befindlichkeiten ihrer Kirche bestens vertraut.

Mit einem Festgottesdienst  wurde Kirsten Fehrs 2011 im Lübecker Dom vom ehemaligen Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich in ihr neues Amt als Bischöfin für Hamburg und Lübeck eingeführt.
Mit einem Festgottesdienst wurde Kirsten Fehrs 2011 im Lübecker Dom vom ehemaligen Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich in ihr neues Amt als Bischöfin für Hamburg und Lübeck eingeführt. © epd-bild / Dirk Silz

2011 Amtsantritt als Bischöfin

2006 trat sie das Amt als Pröpstin und Hauptpastorin an der Hauptkirche St. Jacobi an. Seitdem wohnt sie mit ihrem Ehemann, Pastor Karsten Fehrs, mitten in der City. Zur Bischöfin wurde sie im Juni 2011 gewählt und im November 2011 im Lübecker Dom eingeführt. Fehrs war Nachfolgerin von Maria Jepsen, der weltweit ersten lutherischen Bischöfin. Ihr Bischofsbezirk Hamburg-Lübeck umfasst neben den beiden Hansestädten auch das Hamburger Umland und den Kreis Herzogtum Lauenburg.

Ihre Predigten haben einen leisen, geradezu lyrischen Ton. Dabei kann sie bei Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus auch voller Zorn wettern. Eine ihrer Stärken ist der persönliche Kontakt im Gespräch. Gefühlte Ewigkeiten dauert es, bis man ihr beim Bischofsempfang zur Begrüßung die Hand reichen kann. Klerikale Attitüden sind ihr völlig fremd. Dank ihrer humorvollen Art können sogar kirchliche Grußworte Vergnügen bereiten.

Zum Kirchentag 2013 in Hamburg konnte man Bischöfin Fehrs als 1,8 cm große kleine Figur mit Ornat und Halskrause gefertigt im "Miniatur Wunderland" betrachten.
Bischöfin Kirsten Fehrs im Mini-Format zum Kirchentag 2013 im "Miniatur Wunderland" in Hamburg.© epd-bild / Stephan Wallocha

Interreligiöser Dialog, Flüchtlinge und Seeleute im Blick

Dabei weht ihr auch zum Teil harsche Kritik entgegen. Regelmäßig fordern CDU, AfD, FDP und Linke die Aufkündigung der Staatsverträge, die Bürgermeister Ole von Beust (CDU) 2012 mit den muslimischen Verbänden geschlossen hat. Doch die Bischöfin hält weiterhin tapfer am interreligiösen Dialog in Hamburg fest. Als Vorsitzende des Interreligiösen Forums trägt sie mit dazu bei, dass sich Hamburg "Hauptstadt des interreligiösen Dialogs" nennen darf. Darüber hinaus engagiert sie sich für Flüchtlinge und Seeleute.

Bundesweit bekannt wurde sie auch für ihr Engagement gegen sexuellen Missbrauch in der evangelischen Kirche. Sie gehört dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an und war bis 2020 Sprecherin des Beauftragtenrates der EKD zum Schutz vor sexualisierter Gewalt. Die Kritik einiger Vertreter der Opferverbände war zum Teil sehr persönlich. Fehrs würde ständig Menschen umarmen, aber nichts für sie tun, hieß es.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs im Gespräch bei der VELKD-Synode 2015..
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs im Gespräch bei der VELKD-Synode 2015..© Norbert Neetz, epd-Bild

Wenn über die Nachfolge des EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm spekuliert wird, fällt auch immer wieder ihr Name. Doch ihr Wunsch nach höheren kirchlichen Spitzenämtern ist offenbar wenig ausgeprägt. So hätte sie gute Chancen gehabt, Landesbischöfin der Nordkirche in Schwerin zu werden. Doch sie lehnte ab und wollte lieber in Hamburg bleiben.

Hintergrund

Wahlsynode: Die evangelische Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs (59) stellt sich nach zehnjähriger Amtszeit am Sonnabend (5. Juni) zur Wiederwahl. Mindestens 79 der 156 Mitglieder der Landessynode müssen für eine weitere Amtszeit stimmen. Ihre Wiederwahl gilt als sicher. Eine Gegenkandidatin gibt es nicht. Die Landessynode tagt digital. Veranstaltungsort ist der Michel.

Landessynode der Nordkirche

Zuständigkeit: In der Landeskirche ist sie zuständig für die Hauptbereiche Seelsorge und gesellschaftlicher Dialog sowie Generationen und Geschlechter. Außerdem gehört sie dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Bischofskonferenz der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) an. Bundesweit bekanntgeworden ist sie als Mitglied und bis 2020 Sprecherin des Beauftragtenrates zum Schutz vor sexualisierter Gewalt.

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