Flüchtlingsbeauftragte plädiert für mehr Menschlichkeit bei der Prüfung von Asylgesuchen
28. August 2026
Die Zahl der Menschen im Kirchenasyl sinkt. Im Gespräch sagt unsere Flüchtlingsbeauftragte Dietlind Jochims was die Hürden sind – und warum sie sich eine ernsthaftere Auseinandersetzung mit dem Thema wünscht.
Vor allem von Seiten der Behörden wünsche sie sich eine „eine ernsthafte inhaltliche Auseinandersetzung mit den vorgebrachten Härtefallgründen“ für das Kirchenasyl. Zudem mahnt sie „einen menschlichen und menschenrechtlichen Blick“ an, wenn es um die Beurteilung der Situation von Menschen mit Fluchtgeschichte geht.
Mit großer Sorge sehe sie auf die gegenläufigen Entwicklungen in der Gesellschaft. „Mit einer starken oder gar einer regierenden AfD werden nicht Wohlergehen und Gerechtigkeit gestärkt, sondern Misstrauen, Rassismus und Feindseligkeit.“ Sie sehe „aber nach wie vor viele Menschen, die eine demokratische, humanitäre und solidarische Gesellschaft wünschen“.

Europäische Regeln nicht aufs Kirchenasyl anwenden
Zudem warnte Jochims mit Blick auf das neue europäische Asylsystem davor, die sogenannte Überstellungsfrist auch in Fällen von Kirchenasyl zu verlängern. Dadurch bestehe das Risiko, dass Menschen über drei Jahre im Kirchenasyl ausharren müssten. „Ohne Leistungsbezug, ohne Krankenversicherung, ohne Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten.“ Erst nach Ende der Frist werde in Deutschland über ihr Asylgesuch entschieden.
„Eine solch lange Zeit der Ungewissheit und der fehlenden Perspektive würde für Kirchenasylgäste und auch Kirchengemeinden schwer durchhaltbar“, sagte sie. „Wir halten die Anwendung dieser neuen Regeln auf Kirchenasylfälle für rechtlich nicht haltbar, werden das im Zweifelsfall einzeln gerichtlich überprüfen lassen müssen.“
Weniger Kirchenasyle
In der Nordkirche sei die Zahl der Kirchenasyle weiter gesunken. Zwischen September 2025 und August 2026 seien 28 Kirchenasyle mit 60 Flüchtlingen neu begonnen worden (HH: 11; MV: 9; SH: 8). Zwischen September 2024 bis August 2025 habe es noch 68 neue Kirchenasyle mit 112 Personen gegeben. Die betroffenen Asylbewerber kamen vorwiegend aus Afghanistan, Syrien und Somalia. Stark zugenommen habe der Anteil von Frauen und Kindern im Kirchenasyl.
