Weltfrauentag

Frauenpower heißt, sich selbst nicht zu vergessen

Heute ist Internationaler Tag der Frauen – für Geschlechtergerechtigkeit in allen Lebensbereichen.
Heute ist Internationaler Tag der Frauen – für Geschlechtergerechtigkeit in allen Lebensbereichen. © Unplash, Dayne Topkin

07. März 2021 von Julia Krause

Seit 1911 wird am 8. März, dem "Internationalen Tag der Frauen", an die Gleichberechtigung der Geschlechter erinnert. Doch wie weit ist es damit 110 Jahre später? Ein Blick in die Historie und auf die aktuelle Situation von Frauen.

"Wir Frauen tragen und ertragen eine große Last", sagt die Büdelsdorfer Pastorin Josephine Teske, als sie auf die jetzige Situation von Frauen in ihrer Gemeinde und in ihrem Followerkreis angesprochen wird. Auf dem Papier haben Frauen zwar viel erreicht, in der Realität gibt es jedoch immer noch ein Ungleichgewicht bei der Aufgabenverteilung – speziell wenn es um die sogenannte Care-Arbeit geht. 

Wahlrecht ja, gleiche Bezahlung nein

Doch was hat sich eigentlich in mehr als 100 Jahren Frauenbewegung verändert? Dafür lohnt ein Blick zurück in die Geschichte: Als der Weltfrauentag 1911 ins Leben gerufen wurde, ging es primär um politische Mitbestimmung: Frauen verlangten das Wahlrecht, das bis dahin den Männern vorbehalten war. Gleichzeitig forderten sie eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Denn eine ungleiche Bezahlung und ungleiche Bildungs- und Aufstiegschancen von Frauen und Männern waren in so gut wie jedem Bereich Alltag.

Beides änderte sich in vielen europäischen Ländern, darunter Deutschland, erst nach dem Zweiten Weltkrieg – und da auch nur schleppend. Drastisches Beispiel für die nur langsame Entwicklung ist die Schweiz: Dort erlangten Frauen erst 1971 das Wahlrecht auf Bundesebene. 

Ungleiches Armutsrisiko

Und heute? Alles paletti in Sachen Gleichberechtigung? Viele Soziologen sagen: Nein! Der Knackpunkt dabei ist nach wie vor die Verteilung von Familien- und Erwerbsarbeit. So gibt es heute zwar flexiblere Arbeitsmodelle, die Teilzeit ermöglichen. Ein wesentlicher Konflikt bleibt dabei aber ungelöst: Frauen verzichten für die Familie für Jahre ganz oder teilweise auf ihr Einkommen und zahlen dadurch auch weniger in die Rentenkasse ein. Die Folge: Sie leiden häufiger unter Altersarmut.

Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie der Hamburger Frauenzeitschrift Brigitte rechnet jede dritte Frau (37 Prozent) in Deutschland mit einer Rente von nur bis zu 1000 Euro, bei Alleinerziehenden sind es sogar 44 Prozent. Bei den befragten Männern erwartet hingegen nur jeder Fünfte (21 Prozent) so wenig Rente. 41 Prozent der Männer gehen hingegen davon aus, später zwischen 1000 und 2500 Euro monatliche Rente zu erhalten. 

Besonders prekär ist, dass laut dieser Studie nur jede zweite Frau ihren Lebensunterhalt durch ihr Einkommen selbst bestreiten kann. Zudem reicht das Einkommen nur bei jeder vierten Frau aus, um Rücklagen zu bilden. 

Doppelbelastung Beruf und Familie

Darüber hinaus gibt es jedoch noch andere Ungleichgewichte. So hat die Barmer Krankenkasse kürzlich in ihrem Gesundheitsreport veröffentlicht, dass Frauen im vergangenen Jahr deutlich häufiger aufgrund von Krankheit arbeitsunfähig waren als Männer. Als möglicher Grund wird eine Doppelbelastung von Beruf und Familie genannt. Im Corona-Jahr 2020, in dem Eltern über mehrere Monate die Kinder neben ihren eigenen Jobs zuhause betreuen und beschulen mussten, ist das nicht sehr verwunderlich – auch wenn die Beteiligung der Männer an der Kindererziehung laut Brigite-Studie steigt.

"Ich habe viele Rückmeldungen von Müttern bekommen, dass die Care-Arbeit an ihnen hängenbleibt", sagt Pastorin Josephine Teske. Dazu kommt das ewig schlechte Gewissen, nicht alles so zu schaffen, wie man es sich vorgenommen hat. "Dagegen müssen wir ankämpfen", sagt sie. Doch wie? 

"Es ist okay, mal einen Ball liegen zu lassen"

"Wir dürfen uns selbst nicht vergessen!", sagt die Pastorin, die in den sozialen Netzwerken regelmäßig Frauenthemen aufgreift. "Persönliche Ziele sind wichtig". Das kann Sport oder ein kleines Gebet sein. Bedeutend sei nur, dass man regelmäßig etwas für sich selbst tue – "am besten jeden Tag", so Josephine Teske. Zudem erleichtere es, nicht zu streng mit sich selbst zu sein. "Wir jonglieren mit so vielen Bällen – da ist es okay, mal einen fallen zu lassen und auch liegenzulassen", sagt sie mit Blick auf die Doppelbelastung vieler Frauen vor und während der Corona-Pandemie. 

Der diesjährige "Internationale Tag der Frauen" hat sich das Motto "Frauen in Führungspositionen: für eine gleichberechtigte Zukunft in einer Covid-19-Welt" gegeben. Doch was können wir in unserer Arbeitswelt besser machen, um dieses Ziel zu ereichen?

Zum Beispiel ein starkes Netzwerk zur gegenseitigen Unterstützung bilden, sagt Pastorin Teske. "Als Kollektiv sind wir mutiger." Daneben brauche es aber auch Männer, die für die Gleichberechtigung einstehen. Sie persönlich sei zudem eine Frauenquoten-Befürworterin. Abschaffen könne man sie später immer noch – nämlich dann, wenn die Gleichberechtigung zur gelebten Normalität geworden ist. 


Die Brigitte-Studie

Für die "Brigitte"-Studie mit dem Titel "Mein Leben, mein Job und ich" wurden den Angaben zufolge in Deutschland von Mitte Oktober bis Anfang November 2020 – und damit vor dem zweiten Corona-Teil-Lockdown – vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos rund 2000 Frauen, Männer und Diverse zwischen 18 und 69 Jahren online befragt.

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