Frauenrechte

Frauenwerk zum Weltfrauentag: „Vor Unrecht nicht die Augen verschließen“

Unrecht in den Blick nehmen, das macht das Frauenwerk der Nordkirche nicht nur zum Weltfrauentag.
Unrecht in den Blick nehmen, das macht das Frauenwerk der Nordkirche nicht nur zum Weltfrauentag.© altmodern, iStockphoto

07. März 2022

Wie in jedem Jahr setzen sich Frauen am 8. März mit Aktionen, Kundgebungen und vielen anderen Veranstaltungen für Gerechtigkeit und für ein Ende von Gewalt und Fremdbestimmung ein. In diesem Jahr wird diese Forderung angesichts der Lage in der Ukraine eine besondere Bedeutung haben.

Schon mehr als 100 Jahre fordern Frauen weltweit am 8. März mit Demonstrationen und Protestaktionen ein Ende von Benachteiligung und von Gewalt, die Gleichstellung aller Geschlechter und das Recht auf Selbstbestimmung. Das Frauenwerk der Nordkirche setzt sich für und mit Frauen für diese Anliegen ein und verweist zum Weltfrauentag 2022 auf die Notwendigkeit, weiterhin gegen strukturelle Missstände anzugehen.

Pastorin Susanne Sengstock, Leiterin des Frauenwerks, meint: „Evangelische Frauenarbeit nimmt auch Unrecht in den Blick, das tabuisiert wurde oder noch wird. Viele Menschen schließen die Augen, können und wollen es zum Beispiel nicht glauben, dass direkt vor ihrer Haustür Frauen Opfer von Gewalt und Menschenhandel werden.“

 

 

 

Pastorin Susanne Sengstock vom Frauenwerk der Nordkirche.
Pastorin Susanne Sengstock, Leiterin des Frauenwerks der Nordkirche, in ihrem Büro in Kiel (2019)© Simone Viere, Nordkirche

 

 

 

Mut mache dabei die Erfahrung, dass viele Themen, die lange Nischenthemen waren, heute in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien: Zum Beispiel die Arbeitsbedingungen von Näherinnen, die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern oder das Armutsrisiko von Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit einschränken, um für Angehörige da zu sein.

Start für neues Kunst- und Bildungsprojekt der Nordkirche

Ein neues Kunst- und Bildungsprojekt der Nordkirche, an dem das Frauenwerk beteiligt ist, will auf das Thema FGM/C – Female Genital Mutilation/Cutting, also die gewaltsame Genitalbeschneidung, aufmerksam machen. Diese Menschenrechtsverletzung drohe auch rund 1300 Frauen und Mädchen, die im Gebiet der Nordkirche leben. „Als Christinnen sind wir verpflichtet, Partei zu ergreifen für Frauen, deren Rechte eingeschränkt sind“, so Susanne Sengstock.

 

 

 

Künstlerin Lavanya Honeyseeda ist am Weltfrauentag mit einer Performance in Hamburg zu sehen.
Künstlerin Lavanya Honeyseeda ist am Weltfrauentag mit einer Performance in Hamburg zu sehen.© Ben Beyer

 

 

 

Kunst-Performance in Hamburg zum Auftakt

In Hamburg findet zum Auftakt am 8.März eine Performance und Kunstinstallation unter dem Titel „Women’s Voice. Stop All Violent Practices Against Women“ unter anderem mit Lavanya Honeyseeda und Sista Oloruntoyin statt. Start ist am Gerhard-Hauptmann-Platz um 16.30 Uhr, kurz vor der Demonstration des feministischen Bündnisses 8. März in der Hamburger Innenstadt.

Deutscher Frauenrat: "Wir wollen keine Blumen"

Der Deutsche Frauenrat fordert unterdessen die Bundesregierung zum internationalen Frauentag auf, die enorme Belastung von Frauen, insbesondere von Müttern und Pflegenden, in der Pandemie anzuerkennen und Abhilfe zu leisten. „Zum Frauentag wollen wir keine Blumen, sondern ein grundlegendes Aufholprogramm, damit sie durch die Pandemie nicht in die gleichstellungspolitische Steinzeit katapultiert werden,“ sagte die Vorsitzende des Frauenrats, Beate von Miquel, kürzliich in Berlin.

Sorgearbeit gerecht teilen

Am Ende der vierten Corona-Welle seien die Kräfte aufgebraucht. Die Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Disziplin und der Verzicht, die die Pandemie Personen mit Sorgeverantwortung abverlangt, bräuchten jetzt eine Erholungsperspektive jenseits von Kinderkrankentagen und besserem Wetter, hieß es. Die Bundesregierung solle die immensen Kraftanstrengungen vor allem von Frauen mit Sorgeverantwortung honorieren. Auch die gerechte Verteilung von Sorgearbeit gehöre deshalb dringend in den politischen Fokus.

Bedrohung durch sexualisierte Gewalt im Krieg

Zum Weltfrauentag wolle man auch die Aufmerksamkeit auf die Situation von Frauen und Mädchen in der Ukraine richten, heißt es auf der Seite des Frauenrats. "Krieg und damit einhergehend Vertreibung und Flucht bedeuten für Frauen und Mädchen immer die Bedrohung durch sexualisierte Gewalt, die weltweit ein Phänomen aller bewaffneten Konflikte ist. Krieg bedeutet für viele Frauen und Mädchen auch den Anstieg von häuslicher Gewalt, Traumatisierungen und ein mögliches Ausgeliefert-Sein in neue Gewaltstrukturen."

Hintergrund zum Internationalen Weltfrauentag

Zum Internationalen Frauentag am 8. März gehen Frauen weltweit für ihre Rechte an die Öffentlichkeit. Erste Anregungen kamen von Frauendemonstrationen ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in den USA. Die Startinitiative folgte dann aus der sozialistischen und sozialdemokratischen Arbeiterbewegung vor dem Ersten Weltkrieg (1914-1918). 1910 beschloss die Sozialistische Internationale der Frauen in Kopenhagen, jedes Jahr mit einem Aktionstag den Kampf der Frauen für mehr Rechte und bessere Lebensbedingungen voranzutreiben.

Bereits im März 1911 gingen rund eine Million Frauen in Deutschland, Dänemark, Österreich-Ungarn und der Schweiz auf die Straßen. Erste Forderung war das Frauenwahlrecht, das in Deutschland 1918 durchgesetzt wurde. Am 19. Januar 1919 konnten Frauen erstmals an einer landesweiten Wahl teilnehmen, als eine verfassunggebende Nationalversammlung gewählt wurde. Die Frauen kämpften zudem für kürzere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn, niedrigere Lebensmittelpreise, eine regelmäßige Schulspeisung und legalen Schwangerschaftsabbruch.

Während des Ersten Weltkriegs und unter der NS-Diktatur war der „sozialistische“ Feiertag verboten. Die Nationalsozialisten propagierten stattdessen den Muttertag, der ihrem Frauenbild eher entsprach. Doch im Untergrund lebte der Frauentag weiter: Wer am 8. März seine rote Wäsche im Fenster auslüftete, gab damit ein politisches Statement ab.

Nach 1945 entzweite der Kalte Krieg auch den Frauentag. Im Westen verlor er an Bedeutung, wurde dann vor allem von der Frauen- und Friedensbewegung ab Ende der 60er Jahre begangen. In der DDR entwickelte sich der 8. März vielfach zum „sozialistischen Muttertag“, an dem Kinder der Mutter Blumen oder selbst gemalte Bilder schenkten. 1977 führten die Vereinten Nationen den Weltfrauentag als offiziellen UN-Tag ein. Das Land Berlin führte 2019 den Frauentag als gesetzlichen Feiertag ein, als einziges deutsches Bundesland. 

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