Interview mit Diakoniewissenschaftler

Frieder Schäfer: "Klage bietet Raum, offene Fragen auszuhalten"

Der Diakoniewissenschaftler Dr. Frieder Schäfer besuchte als Referent die MAT.
Der Diakoniewissenschaftler Dr. Frieder Schäfer besuchte als Referent die MAT.© Annette Klinkhardt, Nordkirche

24. Januar 2023 von Annette Klinkhardt

Wie kann Gemeinde diakonisch wirken? Darüber sprach der Diakoniewissenschaftler Dr. Frieder Schäfer auf der kirchlichen Tagung MAT. Sie findet jährlich statt, um Mitarbeitende der Kinder- und Jugendarbeit zu schulen. Wir haben ihn im Anschluss zum Interview getroffen.

Schäfer lehrt am Theologisch-Pädagogischen Seminar & Berufskolleg Malche in Porta Westfalica und ist Leiter der dortigen berufsbegleitenden Ausbildung. Bei der diesjährigen MAT war als Hauptreferent geladen. Sein Thema: „Wie Gemeinde diakonisch wirken kann“. Dabei plädierte er dafür, der Klage als Glaubens- und Lebensäußerung mehr Raum zu geben.

Sie klagen über zu wenig Klage im Raum der Kirche. Wie kommen Sie zu dieser Diagnose?

Ich komme aus dem pietistischen, zum Teil auch freikirchlichen Kontext. Da kommt „Wir klagen dir“ nicht vor. Im landeskirchlichen Bereich noch am ehesten bei den Fürbitten, aber auch da nicht explizit als Klage. Für mich stellt sich da die Frage, welche Räume, welche Gelegenheiten bieten wir, damit das eigene Scheitern ausgedrückt werden kann.

Was meinen Sie mit Scheitern?

Ich habe bewusst das Wort Scheitern gewählt, weil in unserer Kultur der Selbstoptimierung so vieles als eigenes Scheitern erlebt wird – sogar Einsamkeit. Das wird ja im Alten Testament im Buch Hiob kritisiert, dieser Zusammenhang von Tun und Ergehen, aber der ist komischerweise heute noch aktuell: Es liegt an mir, wenn mein Leben nicht gelingt. Und da bietet die Klage auch Raum, Dinge und offene Fragen auszuhalten. Wo, wenn nicht bei uns, ist das Eingeständnis von Fehlen, von Scheitern möglich, mit dem Mittel der Klage oder mit Psalmenworten, die ausdrücken, was wir nicht selber formulieren können.

Was ist der Unterschied zwischen Jammern und Klagen?

„Klagen ist Jammern mit Adresse“: Der Unterschied zwischen dem Gejammere, wo wir ja groß sind, und der Klage ist, dass die Klage einen Adressaten hat, nämlich Gott, und dass ich das, was in mir ist, zur Sprache bringe. Das wäre für mich ein wesentliches Element einer diakonischen Gemeinde, die Klage zu ermöglichen und loszulassen. Vielleicht sogar die Basis. Da geht es eben auch nicht um Hilfegeber und Hilfeempfänger, sondern da wird als Gemeinschaft vor Gott geklagt.

Sie unterrichten in der Malche junge Leute. Können die mit diesem „Klagen“ etwas anfangen?

Das ist für die schon etwas Neues, Ungewohntes, darüber nachzudenken. Aber im Unterrichtssetting geht das total gut. Allerdings eher mit Aufschreiben und symbolischen Übungen, als im Kreis darüber zu sprechen. Wir haben eine Klagemauer, in die wir die Klage eingerollt in Ritzen stecken oder anpinnen, das wird sehr gut angenommen.

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