Für und bei den Menschen Kirche sein: Wie kann das gelingen?
07. April 2026
Die Kirche im Dorf - oder im Stadtteil: Mittelpunkt für die Menschen, Anlaufstelle bei Krisen und Problemen, Ort für fröhliche Feste und weithin sichtbar. Diese Kirche gab es viele Jahrhunderte und so will sie auch heute noch sein. Strategien für diese Vision erarbeitet das Team vom Zukunftsprozess der Nordkirche. Hier lesen Sie von aktuellen Erkenntnissen und Schritten.
Veränderungen, ob in der Weltpolitik oder vor der eigenen Haustür, bestimmen unser Leben. Manche wählen wir selber, manchen sind wir auch ausgeliefert. So geht es auch unserer Kirche: Die Menschen, für die sie da sein will, haben neue Fragen und Ängste, stehen vor neuen Herausforderungen und sie brauchen neue Angebote.
Mehr erfahren über den Zukunftsprozess und alle Ansprechpersonen. Zum Nachlesen: Der Zukunftsprozess war auch Thema der Landessynode im Februar 2026. Zum Beschluss und zum Bericht
"Unser Ziel ist es, dass die Menschen ihre Kirche als einen lebendigen und frohen Begegnungsort erleben", sagt Nora Steen, Bischöfin im Sprengel Schleswig und Holstein. Sie leitet das Team "Zukunftsprozess" der Nordkirche, das Antworten erarbeitet, wie unsere Kirche angesichts all der globalen und lokalen Veränderungen in Zukunft aussehen soll.
Der Druck, sich zu verändern, bleibt hoch: Weiter sinkende Mitgliederzahlen und dadurch weniger finanzielle Mittel machen Einschnitte unvermeidlich. "Es geht um Kürzungen, die natürlich auch schmerzhaft sind", erläutert Bischöfin Steen. Doch solche Entscheidungen könnten auch für mehr Freiraum sorgen: Was wollen wir als Kirche eigentlich inhaltlich? Welche Angebote wollen wir für die Menschen machen und wie?
Kirchenkreise gestalten ihre Zukunft: Viele Konzepte und Ideen
Zukunftsprojekt: Dorfkirche Mon Amour. Wenig genutzt Dorf- und Quartierskirchen öffnen ihre Tore für Musik, Kunst, Begegnung, Festivals.
In allen Kirchenkreisen der Nordkirche ist derzeit viel in Bewegung: Die Bedingungen und Möglichkeiten in den einzelnen Gemeinden vor Ort sind allerdings sehr unterschiedlich, so dass viele verschiedene Konzepte umgesetzt werden. Das ist eine große Bereicherung, denn in Städten stehen die Gemeinden zum Beispiel vor anderen Herausforderungen, als auf dem Land.

Zudem sei jede Gemeinde eine eigenständige Körperschaft und entscheide über ihre inhaltlichen Akzente selber. "Kirche vor Ort ist dafür zuständig, dass die Verkündigung an die Menschen kommt", betont Nora Steen. Dennoch könnten alle voneinander lernen, sowohl von Ideen, die gut funktionieren, als auch von Problemen und Hürden.

Ein Überblick: In diesen Themenfeldern verändert sich unsere Kirche
- Gemeinden fusionieren und bilden Regionen oder Pfarrsprengel. Die Anzahl der Gemeinden wird weniger, Pastor:innen konzentrieren sich auf Schwerpunkte ihrer Arbeit. Pfarrstellen können so reduziert werden. Gleichzeitig sollen Ehrenamtliche gestärkt und ihre Beteiligung ausgebaut werden.
Zum Nachlesen: Zukunftswerkstatt Kirchgebäude: Neue Wege für alte Gemäuer
- Die Gebäude unserer Kirche werden neu genutzt oder auch entwidmet, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität. Das Land, das unserer Kirche gehört, soll nach Kriterien der Nachhaltigkeit verpachtet oder auch für die Gewinnung von erneuerbaren Energien genutzt werden.
- Es muss Geld eingespart werden - durch Umverteilung und neue Prioritäten. Außerdem soll die Verwaltung schlanker, zentraler und einfacher werden.
- Gemeinden konzentrieren sich auf Schwerpunkte und stärken sie dadurch: Wichtige Themen sind Angebote für Familien und Jugendliche, die Kirchenmusik und diakonische Angebote für die Menschen vor Ort.
- Kitas werden von Verwaltungsabläufen entlastet, indem die Kirchenkreise ihre Trägerschaft übernehmen.
Mehr erfahren: Auf unserem Klimaportal steht alles zur Klimaschutzstrategie und zum Klimaziel der Nordkirche, außerdem wichtiges Fachwissen für Gemeinden und Ehrenamtliche.
- Unsere Kirche ist auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität: Konzepte dafür gibt es in allen Kirchenkreisen, sei es dass Gebäude energetisch saniert werden, die E-Mobilität gefördert wird oder Gemeinden ÖkoFair werden. Langfristig spart das Kosten und Ressourcen. Engagement für die Bewahrung unserer Schöpfung stärkt unsere christlichen Werte.
Es gibt noch viel zu tun: Wichtige Erkenntnisse aus dem Zukunftsprozess
"Ein Ende gibt es nicht", beschreibt Bischöfin Steen den Zukunftsprozess. Denn dieser Prozess sei keine einmalige Reform, sondern ein andauernder Lernweg. Und schließlich würden gesellschaftliche Veränderungen auch immer neue Anpassungen der Kirche erfordern.
In allen Kirchenkreisen gibt es mittlerweile Haupt- und Ehrenamtliche, die aktiv die Zukunft der Kirche gestalten und nicht von Veränderungen getrieben werden wollen. "Der Rückgang von Mitgliedern und Finanzen trifft uns schneller, als noch vor ein paar Jahren erwartet", beschreibt Corinna Mühlhausen, Referentin im Team des Zukunftsprozesses, einige Stimmungen.
Lebendige und erfahrbare Kirche bleiben: Diesen Anspruch haben alle, die sich in unserer Kirche auf dem Weg zu Veränderungen gemacht haben. So können Freiräume und Chancen für Neues entstehen.
