Friedliche Revolution

In seinem Wohnzimmer wurde 1989 Geschichte geschrieben

Bei Christoph de Boor trafen sich 1989 in Waren Anhänger des Neuen Forums.
Bei Christoph de Boor trafen sich 1989 in Waren Anhänger des Neuen Forums.© epd-bild

17. Oktober 2019 von Anne-Dorle Hoffgaard

In Waren (Müritz) fand vor 30 Jahren der erste Demonstrationszug im Nordosten der DDR statt. Die Protestbewegung in der Kleinstadt entwickelte sich aus einem Treffen im Wohnzimmer des Theologen Christoph de Boor.

30 Männer und Frauen drängten sich am Sonntagabend des 8. Oktober 1989 im Wohnzimmer der Familie de Boor im mecklenburgischen Waren (Müritz). Einige mussten auf dem Fußboden sitzen. Es war das erste Treffen in der Kleinstadt, erinnert sich der studierte Theologe und heutige Diakonie-Manager Christoph de Boor. "Wir haben uns als Menschen getroffen, die Veränderungen in unserem damaligen Land, der DDR, wollten. So konnte es nicht weitergehen." Es seien Menschen gewesen, die die Ziele des Neuen Forums unterstützten, sagt der 58-Jährige.

Weil die Teilnehmer fürchteten, unten vor der Tür verhaftet zu werden, sei von manchen Ehepaaren nur einer gekommen. "Um die Kinder zu sichern." Es habe aber keine Verhaftungen gegeben. Das nächste Treffen wurde für den folgenden Sonntag (15. Oktober) verabredet - wieder im Wohnzimmer der jungen Familie de Boor.

Rund 100 Menschen erschienen zum Treffen

Am Abend des 15. Oktober habe es dann ständig an der Tür geklingelt. Es seien so viele Menschen gekommen, dass Pastor Hans-Werner Fehlandt den etwa 100 Menschen anbot, in die Gemeinderäume der evangelischen Kirchengemeinde St. Marien umzuziehen. "Das Wichtigste war, dass Menschen ihren Ärger und ihre Wut, aber auch ihre Hoffnungen und Wünsche aussprechen konnten", sagt de Boor, der Gesprächsleiter des Abends war. Auch über die Gewalt der Polizei in Berlin am 7. Oktober, über die Bürgerbewegung "Demokratie Jetzt" oder den "Demokratischen Aufbruch" wurde berichtet.

Demonstration in Waren

Einen Tag später, am Montag (16. Oktober), fand in Waren unter dem Motto "Eine Hoffnung lernt laufen" die erste Demonstration in MV statt. Etwa 400 Menschen zogen von der Georgenkirche über den Neuen Markt zur Marienkirche. Der Schweriner Landtag hat am Mittwoch in Waren mit einer zentralen Festveranstaltung "30 Jahre friedliche Revolution in Mecklenburg-Vorpommern" der damaligen Demo gedacht.

Regelmäßige Andachten und Kungebungen

Zu den Forderungen der Warener Bürgerbewegung vom Herbst 1989 habe neben der Zulassung des Neuen Forums auch die nach öffentlichen Räumen für die Treffen gehört, sagt de Boor. "Die Menschen wollten nicht auf kirchliche und private Räume angewiesen sein." Das erste Treffen in solch einem öffentlichen Raum fand am 30. Oktober in einer schulischen Turnhalle statt. Bis Weihnachten 1989 folgten immer sonntags Themen-Abende im Turnhallenforum. Außerdem gab es Montagsandachten in St. Georgen mit anschließender Demonstration und Kundgebung auf dem Markt.

"Gänsehautmomente" der friedlichen Revolution

In der Rückschau auf die friedliche Revolution in Waren fallen Christoph de Boor einige "Gänsehautmomente" ein - etwa als Pastor Hans-Henning Harder eine Andacht mit dem "Vaterunser" auf dem Markt beendete oder das "eindrucksvolle Bild" mit den Kerzen. Am 30. Oktober hielt ein Kinderarzt auf dem Markt die erste freie Rede und forderte die Streichung der führenden Rolle der SED, eine neue Verfassung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. "Da kamen mir wirklich die Tränen."

De Boor: "Wir waren ganz viele"

Eine große Stärke in Waren war für de Boor: "Wir waren ganz viele". Schnell habe es zehn bis 15 Arbeitsgruppen gegeben. Er selber, der erst im September 1989 mit dem kirchlichen Vorbereitungsdienst als angehender Pastor in einer Dorfgemeinde begonnen hatte, habe von seinem Ausbildungspastor freie Hand bekommen und damit viel Zeit, um Dinge zu organisieren.

Im April 1990 brach Christoph de Boor sein Vikariat ab und ging in die Politik. Er kandidierte bei der Kreistagswahl für das Neue Forum und war von 1990 bis 1994 Sozialdezernent in Waren. Dann wechselte er zur Diakonie und wurde Geschäftsführer in Neustrelitz. Heute ist er Geschäftsführer der "Diakonie Mecklenburgische Seenplatte" mit mehr als 60 Einrichtungen und mehr als 1.000 Mitarbeitern.

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