Festgottesdienst

Jubiläum der Niendorfer Kirche: Einst Provinz, heute mittendrin

Die Niendorfer Kirche feiert ihr 250. Jubiläum. Zum Festgottesdienst wird unter anderem Bischöfin Kirsten Fehrs erwartet.
Die Niendorfer Kirche feiert ihr 250. Jubiläum. Zum Festgottesdienst wird unter anderem Bischöfin Kirsten Fehrs erwartet. © Carl-Jürgen Bautsch, Adobestock

24. November 2021 von Thomas Morell

Am ersten Advent feiert Niendorf mit einem Festgottesdienst das 250. Jubiläum seiner Kirche. Wir blicken zurück auf die ereignisreiche Historie des Gotteshauses, das nicht selten im Zentrum rivalisierender Interessen stand.

Über Jahrzehnte hinweg war der kleine Ort Niendorf Zankapfel zwischen Hamburg und Dänemark. Erst der „Gottorfer Vergleich“ im Jahre 1768 brachte eine Einigung. Zwei Jahre später, am 14. November 1770, konnte die achteckige Kirche im damals noch holsteinischen Niendorf eingeweiht werden.

Im Zentrum der deutsch-dänischen Spannungen

Heute ist Niendorf ein belebter Stadtteil im Nordwesten Hamburgs. Mit einem Jahr Verspätung, am 1. Advent (28. November, 10 Uhr), feiert die Gemeinde den Festgottesdienst zum 250-jährigen Bestehen ihrer denkmalgeschützten Kirche mit Bischöfin Kirsten Fehrs. Eine Chronik ist bereits erschienen.

Chronik: Veronika Janssen, "Schön achteckig, mit einer Thurmspitze in der Mitte", Edition Forum Kollau, 224 Seiten.

Vor Einweihung der Niendorfer Kirche 1770 waren die Dörfer der Region Teil des Hamburger Kirchspiels Eppendorf mit seiner schmucken St. Johanniskirche. Problematisch war nur, dass Niendorf mit seinen 38 Häusern sowie Schnelsen, Stellingen, Lokstedt, Hummelsbüttel und Eidelstedt zur Grafschaft Holstein zählten und damit dem dänischen König unterstanden. Der Hamburger Rat und die dänische Krone stritten heftig um Geld, Ämter und Einfluss, ehe der „Gottorfer Vergleich“ 1768 Entspannung brachte.

Getrennte Sitzplätze für Frauen und Männer 

Laut Chronik stand die Niendorfer Kirche auf einer Erhebung, so dass man von dort bis Hamburg sehen konnte. Heute steht sie an einer siebenspurigen Verkehrsader in Sichtweite der zentralen Einkaufsmeile. Fünf Stunden dauerte der Festgottesdienst am 14. November 1770, davon allein eine Stunde für die Predigt. 563 Plätze bot die neue Kirche, Frauen und Männer saßen noch getrennt. Finanziert wurde die Kirche zum größten Teil durch reiche Familien, die sich einen festen Platz in der Kirche kaufen konnten.

Die achteckige Form der Kirche war seinerzeit durchaus üblich. Vorteil ist, dass alle Gottesdienstbesucher den Altar und die Kanzel sehen können. Vorbild war die Kirche von Hörnerkirchen, 35 Kilometer weiter nördlich. Später endete die Dänen-Zeit und 1866 wurde Niendorf preußisch. Erst 1937 kam es mit dem Groß-Hamburg-Gesetz zu Hamburg. Mittlerweile gibt es auf dem Gebiet der einstigen Gemeinde Niendorf sieben Tochter- oder sogar Enkel-Gemeinden.

Sie trotzt den Luftangriffen

Den Zweiten Weltkrieg hat die Kirche einigermaßen unbeschadet überstanden. Bei dem verheerenden Luftangriff „Gomorrha“ im Sommer 1943 gingen lediglich die Fenster kaputt. Die Brandwachen löschten mehrere Brandbomben. 1940 wurde sie unter Denkmalschutz gestellt, was den Vorteil hatte, dass die Orgel nicht abgebaut werden musste. Auch von der Glockenspende 1942 blieb die Kirche verschont.

Die letzte umfassende Renovierung fand von 1977 bis 1984 statt, nachdem sich während eines Konzerts Stuck von der Decke gelöst hatte. Ursache für die Bauschäden war möglicherweise auch der Flugverkehr vom benachbarten Flughafen Fuhlsbüttel. Ohnehin war das Verhältnis zum Flughafen zeitweise sehr angespannt. 1979 verlangte der Flughafen die Rodung der Bäume auf dem Friedhof, weil sie angeblich für die Flugzeuge zu hoch waren. Es folgte eine Baumbesetzung und ein Gerichtsverfahren, das mit einem Kompromiss endete: Die Bäume auf dem Neuen Friedhof wurden gefällt und auf dem Alten Friedhof lediglich gekappt. Seitdem sind sie mit Signalleuchten versehen.

Anmeldung 

Im Gottesdienst wird Joseph Haydns „kleine Orgelsolomesse“ zu hören sein. Gesang: Kantorei Niendorf unter der Leitung von Finnegan Schulz. Für den Gottesdienst ist eine Anmeldng erforderlich (2-G-Veranstaltung). Hier geht es zum Ticketsystem. 

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