Interview vor dem Küstertag

"Küster sind jeden Tag aufs Neue gefordert"

Küster aus Leidenschaft: Tobias Jahn (li.) arbeitet im Michel, Philippe Köster in der St. Pauli-Kirche
Küster aus Leidenschaft: Tobias Jahn (li.) arbeitet im Michel, Philippe Köster in der St. Pauli-Kirche© Timo Teggatz

21. Oktober 2014 von Timo Teggatz

Der eine arbeitet im ehrwürdigen Michel, der andere in der hippen St. Pauli-Kirche. Große Unterschiede, doch Tobias Jahn und Philippe Köster haben eine Sache gemeinsam: die Begeisterung für ihren Job als Küster. Ein Gespräch über beruflichen Zickzack-Kurs, frühes Aufstehen am Sonntag und das drohende Aus für ihren Berufszweig.

Am kommenden Montag, 27. Oktober, ist es soweit: Die Küster der Nordkirche treffen sich im Hamburger Michel zum Küstertag der Nordkirche. Vorher sprechen zwei Küster im Interview über ihren Beruf. Ihr Umfeld ist sehr unterschiedlich: Tobias Jahn (53) arbeitet im ehrwürdigen Michel, Philippe Köster (39) in der hippen St. Pauli-Kirche.

Herr Köster, Sie arbeiten erst seit kurzem hauptamtlich als Küster. Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Philippe Köster: Ich habe auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur gemacht und angefangen, Theologie zu studieren. Drei schwierige Fremdsprachen lernen – das habe ich einfach nicht mehr hinbekommen. Ich war etwas orientierungslos, als mir unser Pastor einen Mini-Job in der St.Pauli-Kirche angeboten hat. Dann stand ich eines Abends in der Kirche vor 80 Lampedusa-Flüchtlingen, die gerade nach Hamburg gekommen waren. Da habe ich mir gedacht: Wenn Du geschickt wirst, musst Du einfach folgen.

Und war das die richtige Entscheidung?

Köster: Absolut! Ich kann mir gut vorstellen, in der Gemeinde auf St. Pauli bis zu meinem Ruhestand zu arbeiten. Das liegt aber auch an der Gemeinde, denn jeder Küster muss zu seiner Gemeinde passen. Nach St. Michaelis würde ich nicht passen...

Tobias Jahn: ...Das kann ich zu hundert Prozent unterstreichen (beide lachen). Ich selbst bin mit dieser Kirche und mit dieser Gemeinde als Küster gewachsen, hier gehöre ich her.

Also auf keinen Fall die Kirche auf St. Pauli?

Jahn: Ich könnte nicht mit ihm tauschen. Ich brauche den Trubel, das Programm und die Konzerte im Michel. Rund um die St. Pauli-Kirche ist bestimmt auch Trubel, aber ich mag es, wenn in der Kirche selbst viele Veranstaltungen stattfinden. An der Umgebung auf St. Pauli liegt es nicht.

 

"In der St. Pauli-Kirche geht ordentlich der Punk ab"

 

Gibt es in der St. Pauli-Kirche denn weniger Programm?

Köster: Die Kirche ist natürlich deutlich kleiner und unscheinbarer, so dass nicht soviel Laufkundschaft kommt. Aber es findet unwahrscheinlich viel Programm statt mit Konzerten, Gottesdiensten und großen Veranstaltungen. In der St.Pauli-Kirche geht auch ordentlich der Punk ab.

Herr Jahn, Ihr Kollege ist auf Umwegen zum Job des Küsters gekommen. Ist das eine typische Laufbahn?

Jahn: Ja, ich kenne keinen Kollegen, der direkt nach der Schule Küster geworden ist. Ich habe angefangen, als ich schon über 30 Jahre alt war, nachdem ich erst KfZ-Mechaniker gelernt hatte und dann bei der Bundeswehr als Ausbilder gearbeitet habe. Bei vielen Kollegen war der Kontakt zur Gemeinde aber schon da, etwa über ehrenamtliche Arbeit.

Was macht den Küster-Job so spannend?

Jahn: Kein Tag ist wie der andere. Ständig haben wir mit neuen Menschen zu tun, die zu uns kommen. Man ist täglich aufs Neue gefordert, es kommt einfach keine Langeweile auf. Und am Michel entdecke ich auch nach so langer Zeit immer noch neue Sachen.

Köster: Ich hatte vor meiner Arbeit als Küster zwölf Jahre in der Krankenpflege gearbeitet und wusste: Das ist nichts für mich, es ist zuviel Krankheit um mich herum. Hier in der Kirche ist dagegen das Leben, wenn auch mit einem morbiden Charme.

 

"Wenige Pastoren wissen, was die Tätigkeiten eins Küsters sind"

 

Nervt es Sie nicht, dass Sie sonntags arbeiten müssen?

Köster: Zum Glück feiert die St.Pauli-Kirche erst um 11 Uhr Gottesdienst...

Jahn:... da hast Du ja eine Stunde mehr Zeit als ich.

Köster: Es reicht also, wenn ich um halb neun aufstehe. Aus meiner Zeit als Krankenpfleger bin ich es schon gewohnt, auch am Wochenende zu arbeiten. Mein Wochenende findet jetzt eben freitags und sonnabends statt – wenn ich freitags nicht aushelfen muss.

Jahn: Als ich bei der Bundeswehr aufgehört habe, habe ich mir geschworen: Du arbeitest nie mehr am Wochenende! Das hat bekanntlich nicht geklappt. Durch die Arbeit als Michel-Küster ist Privatleben schwer zu planen. Mich stört das inzwischen wenig, meine Partnerin trägt das mit. Meine erste Ehe ist wegen meines Berufs aber kaputtgegangen.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Pastoren?

Jahn: Wir können uns gut einbringen, weil wir die Praktiker sind. Die Pastoren äußern ihre Wünsche, und wir versuchen, das in die Tat umzusetzen. Es gibt aber wenige Pastoren, die wissen, was eigentlich die Tätigkeiten eines Küsters sind.

Dann verraten Sie doch jetzt, was die Küster tun!

Jahn: Vorbereitung, Begleitung und Nachbereitung – das gilt für alle Veranstaltungen vom Gottesdienst mit Abendmahl bis zum Konzert. Der Küster ist der erste, der morgens kommt, und der letzte, der abends geht. Er ist der erste Ansprechpartner, wenn Leute in die Kirche kommen, weil er an der Tür steht. Der Küster ist einfach das „Mädchen für alles“.

 

"Es muss ein anderes Finanzsystem her"

 

Viel zu tun für einen Küster. Gibt es immer noch genug junge Leute, die Küster werden wollen?

Jahn: Nachwuchssorgen haben wir eigentlich nicht. Die Zahlen des aktuellen Ausbildungskurses sind zwar leicht rückläufig, aber nicht besorgniserregend. Trotzdem wird der Beruf des Küsters irgendwann aussterben. Das liegt an den finanziellen Mitteln der Gemeinden.

Was kann man tun, um den Berufszweig zu retten?

Jahn: Es muss ein anderes Finanzsystem her. In Mecklenburg-Vorpommern zahlen die Gemeinden nur 20 Prozent des Küster-Gehalts, den Rest übernimmt der Kirchenkreis. In Hamburg und Schleswig-Holstein sind die Gemeinden zu hundert Prozent zuständig. Wir müssen sie entlasten, zumindest teilweise.

INFO

Der Küstertag der Nordkirche findet alle zwei Jahre statt. Rund 100 Küster treffen sich am Montag, 27. Oktober, im Michel. Der Tag beginnt um 9.30 Uhr mit einem Gottesdienst, ehe beruflicher Austausch und Ehrungen auf dem Programm stehen. Spontane Anmeldungen sind auch  am Tag der Veranstaltung vor Ort möglich.

Weitere Informationen unter www.küster-nordkirche.de

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