Soziale Arbeit

Leiterin Bahnhofsmission: Das Gefühl gehört zu werden, kann viel bewegen

Seit dem 1. Januar ist Katarina Kalbouni die neue Leitern der Bahnhofsmission in Hamburg.
Seit dem 1. Januar ist Katarina Kalbouni die neue Leitern der Bahnhofsmission in Hamburg. © epd-Nord/Hannah Reinhard

15. April 2026 von Hannah Reinhard

Die Hamburger Bahnhofsmission hat mit Katarina Kalbouni eine neue Leitung. Sie ist psychologisch ausgebildet und in den Hamburger Hilfesystemen gut vernetzt. Jetzt arbeitet sie daran, Hilfsangebote noch gezielter platzieren zu können.

Wer schon einmal am Hamburger Hauptbahnhof war, hat sie bestimmt bereits gesehen: die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission in ihren blauen Westen. Seit dem 1. Januar haben sie mit Katarina Kalbouni eine neue Leitung. Zuvor war Kalbouni acht Jahre lang in der psychosozialen Arbeit mit jungen Erwachsenen von 18 bis 25 Jahren aktiv.

250 Gäste pro Tag

Die Erfahrungen, die sie dort gemacht hat, möchte sie in der Bahnhofsmission einbringen. „Ich treffe hier auf Menschen mit vielen unterschiedlichen Bedürfnissen. Und obwohl wir über ein großes Hilfsnetzwerk verfügen, kommen Bedürfnisse und Hilfsangebote nicht immer richtig zusammen – da wünsche ich mir, dass das in Zukunft immer besser funktioniert“, sagt sie.

Zu rund 250 Gästen haben die Mitarbeitenden in der Bahnhofsmission am Tag Kontakt. „Wir sind auf jeden Fall gut ausgelastet, in der Nacht natürlich etwas weniger als am Tag. Aber es gibt auf jeden Fall keine Langeweile bei uns“, sagt Kalbouni. Die Art des Kontakts kann sehr unterschiedlich sein, denn die Bahnhofsmission bietet Hilfe für viele verschiedene Menschen.

Ein herzliches Willkommen hat Priorität

So können Reisende etwa Umstiegshilfen anmelden und obdachlose Menschen mit dem Notpflegeprogramm Hilfe bei der Körperhygiene und pflegerische Unterstützung erhalten. „Vor allem öffnen wir unsere Türen und empfangen alle Gäste herzlich, unabhängig von ihrem Anliegen und davon, wie sie hier reinkommen“, erklärt die Leitung.

Seit Beginn ihrer Tätigkeit hat sich Kalbouni intensiv in die Abläufe in der Bahnhofsmission eingearbeitet und Gäste und Mitarbeitende kennengelernt. Gleichzeitig hat sie sich Gedanken dazu gemacht, wie sie die Unterstützung vor Ort ausbauen kann.

Sie will die Arbeit bedürfnisorientierter organisieren 

Dabei bringt sie einiges an Wissen aus ihrer vorherigen Tätigkeit mit: „Vor allem den großen Schatz des Hamburger Hilfesystems. Das kann ich hier aber noch weiter aufbauen, hier haben wir ja nicht nur Gäste im Alter von 18 bis 25.“

Katarina Kalbouni hat Psychologie studiert und auch diese Perspektive möchte sie noch stärker in die Arbeit in der Bahnhofsmission einbringen. Vor allem wolle sie mehr Transparenz dabei schaffen, die Gäste an weitere Stellen, wie etwa Notunterkünfte oder Beratungsangebote, weiterzuleiten.

„Nicht alle unsere Gäste haben die gleichen Themen und Probleme.“ Sie wolle stärker unterscheiden zwischen den einzelnen Bedürfnisse der Gäste, vor allem bei denen, die von Obdachlosigkeit betroffen sind.

Obdachlosigkeit nicht Problem Nr. 1

„Wenn man da ein wenig besser zuhört, dann sind die Bedarfe deutlich unterschiedlich. Und trotzdem laufen Angebote häufig unter dem Oberbegriff 'ohne festen Wohnsitz' oder 'Leute von der Straße'“, sagt Kalbouni. Am Ende soll das dabei helfen, die Gäste noch gezielter mit den passenden Hilfsangeboten zu verknüpfen und weniger mit großen Kategorien zu arbeiten.

„Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass die Obdachlosigkeit je nach Dauer nicht immer das Problem Nummer eins bei den betroffenen Menschen ist“, erläutert sie. Auch mit scheinbar kleineren Schritten könne vielen Gästen der Bahnhofsmission geholfen werden.

„Bei einem Gast konnten wir zum Beispiel durch motivierende Gespräche und die Unterstützung bei der Formulierung eines Briefes schon viel anstoßen: Das Gefühl, gehört zu werden, und das geschaffene Vertrauen bewirkten, dass er so mutig war, einen Termin bei einer Bank zu vereinbaren, um ein eigenes Konto für sich zu eröffnen“, erzählt sie.

Ein positives Ergebnis für den Gast und für Kalbouni: „Der Mann ist immer noch obdachlos, aber er berichtet inzwischen stolz von seinen Fortschritten und hat schon weitere Pläne, die es ihm ermöglichen, eine dauerhafte Unterkunft als Ziel überhaupt ins Auge zu fassen.“

Bahnhofsmission ist ein zentraler Treffpunkt 

Nicht alle Gäste kämen regelmäßig in die Bahnhofsmission: Es gebe Reisende, die bei Problemen mit Zugverbindungen ganz spontan und einmalig vorbeischauten. Aber eben auch solche, die immer wieder vorbeischauen würden. „Manche von ihnen kennen das Notpflegeprogramm und wollen das nutzen. Andere kommen und fragen einfach höflich, ob sie einen Kaffee trinken können“, sagt Kalbouni.

So erlebt sie die Bahnhofsmission als „zentralen Treffpunkt“ und Anlaufstelle, für Menschen, die sich nicht alleine fühlen wollen. Deshalb sei sie am Hamburger Hauptbahnhof auch richtig platziert: „Der Bahnhof ist eine zentrale Stelle in der Stadt, vor allem auch für Menschen ohne festen Wohnsitz.“ Egal wer und egal wie – die Mitarbeitenden der Bahnhofsmission empfangen alle ihre Gäste, hören zu und helfen, wo sie können.

Zum Anfang der Seite