Personalie

Nach 27 Jahren: Kiez-Pastor Martin Paulekun verlässt St. Pauli

Pastor Martin Paulekun wird in den Ruhestand verabschiedet.
Pastor Martin Paulekun wird in den Ruhestand verabschiedet.© epd, Thomas Morell

26. August 2020 von Thomas Morell

Seit 27 Jahren ist Martin Paulekun (64) evangelischer Pastor auf St. Pauli und hat hautnah erlebt, wie stark sich der Stadtteil verändert. Im September beginnt sein Ruhestand. Am Sonntag (30. August, 11 Uhr) feiert er seinen letzten Gottesdienst am Pinnasberg.

Der Weg ins Pastorenamt war für Martin Paulekun eher holperig. Der gebürtige Sauerländer wollte ursprünglich Maschinenbau studieren. Nur zur Überbrückung schrieb er sich in Hamburg für das Fach Theologie ein, obwohl er nicht einmal Kirchenmitglied war. Doch die Fragen um Gott und die Welt fesselten ihn. Nach Stationen in Billstedt und Dulsberg bewarb er sich 1993 auf die freie Stelle auf St. Pauli.

Vermittler im Kampf um die Häuser der Hafenstraße

"St. Pauli war damals völlig anders", erinnert er sich. Das Kirchengelände war ein Hort für Dealer, Junkies, Kriminelle und Hunde. Wenn zehn Leute zum Gottesdienst kamen, waren alle glücklich. Mitte der 90er Jahre war die Gemeinde fast bankrott. Doch für den Pastor eröffnete sich hier auch eine "spannende Welt". Damals tobte noch der Kampf um die besetzten Häuser der Hafenstraße. Er engagierte sich mit seiner Gemeinde und Initiativen für eine friedliche Lösung, was letztendlich auch gelang.

Afrikanische Flüchtlinge aus Libyen in der St. Pauli Kirche.

Humanitäre Aktion: Lampedusa-Flüchtlinge in der Kirche

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Seelsorge, die Begleitung der Kita-Kinder und die Vernetzung mit den Initiativen im Stadtteil. Spektakulär war im Juni 2013 die Öffnung der St. Pauli-Kirche für rund 80 Lampedusa-Flüchtlinge, die von Italien nach Deutschland geschickt worden waren und obdachlos in Hamburg lebten. Martin Paulekun ist immer noch begeistert von der breiten Unterstützung der humanitären Aktion. Rund 250.000 Euro wurden gespendet, mehr als 200 Ehrenamtliche waren im Einsatz. Nach zähem Ringen gingen ein halbes Jahr später die meisten Flüchtlinge zur Einzelfallprüfung ins Asylverfahren.

St. Pauli - ein "bestimmtes Lebensgefühl"

Vor allem das langjährige Sanierungsprogramm hat den Stadtteil aufgewertet. Auch die Kirche liegt mittlerweile in einem schmucken Park, und Bienen sammeln dort den Kiez-Honig. Die Gottesdienstbesucher strömen wieder zahlreich, darunter viele jüngere.

Die Kirche hinter Kunstpalmen des Park Fiction (St. Pauli).

Mit St. Pauli verbinde sich ein bestimmtes Lebensgefühl, sagt Paulekun. Es gebe hier viele Menschen, die schon mal auf die Nase gefallen sind. Dieses Lebensgefühl zeige sich besonders beim FC St. Pauli, für den er beim Abstiegskampf auch schon mal im Radio gebetet hat. "Da feiern die Fans ihren Verein auch nach einer Niederlage." Wenn möglich, ist er bei jedem Heimspiel dabei.

Eher unbekannt ist, dass die Kirchengemeinde wohl die flächenmäßig größte in Hamburg ist. Neben Reeperbahn und Schanze umfasst sie Planten un Blomen, das Heiligengeistfeld und große Teile des Hafens. Mit Sandra Starfinger steht Paulekuns Nachfolgerin bereits fest. Weiterhin ist noch Pastor Sieghard Wilm im Amt.

Ruhestand mit Familie und VW-Bulli

Am 27. September wird Martin Paulekun offiziell verabschiedet. Er selbst ist mit seiner Frau bereits nach Altona gezogen. Im Ruhestand warten nicht nur seine drei Kinder und fünf Enkel auf ihn, sondern auch ein alter VW-Bulli, den er wieder flottmachen will.

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