Orgeln in Norddeutschland entdecken: Große Berühmtheiten und historische Denkmäler
28. August 2025
Die Orgel ist mehr als ein Musikinstrument – sie ist ein lebendiges Stück Kulturgeschichte, das seit Jahrhunderten den Klangraum von Kirchen prägt und den Gottesdienst mit einer einzigartigen Tiefe erfüllt. Auf dem Gebiet unserer Nordkirche wirkten einige der bekanntesten Orgelbauer der vergangenen Jahrhunderte.
Mit ihren majestätischen Tönen verbindet die Orgel Himmel und Erde, schafft Raum für Andacht und feiert gleichzeitig die handwerkliche Meisterschaft ihrer Erbauer. Doch Orgeln sind auch Zeitzeugen, Kunstwerke und technische Meisterleistungen, die bis heute Musiker, Architekten und Kulturbegeisterte faszinieren.
Klang und Symbolik: Warum die Orgel im Gottesdienst unverzichtbar ist
Die Orgel ist das „Königsinstrument“ der Kirchenmusik – nicht nur wegen ihrer Größe, sondern wegen ihrer Fähigkeit, den Raum mit Klang zu füllen und Emotionen zu wecken. Ihre Klänge können brausend und jubelnd sein, aber auch meditativ und tröstend.
Historisch gesehen, symbolisiert die Orgel mit ihren vielen Registern und Pfeifen die Vielfalt der Schöpfung und die Harmonie des Himmels. Sie ist damit nicht nur Begleiterin der Liturgie, sondern auch ein Sinnbild für die Verbindung von Mensch und Gott.
Hochburgen der Orgelkultur in unseren Kirchen
Besonders in Norddeutschland hat die Orgel eine herausragende Tradition. Die berühmte Arp-Schnitger-Orgel in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi (1693) gilt als Meisterwerk des barocken Orgelbaus und zieht bis heute Musiker und Besucher aus aller Welt an.

In Schleswig-Holstein prägt die Orgelkultur vor allem die ländlichen Kirchen: Hier finden sich kostbare Instrumente aus dem 17. und 18. Jahrhundert, oft noch im Originalzustand. Zum Beispiel ertönt in der St. Salvator-Kirche auf Pellworm eine Arp-Schnitger-Orgel von 1711.

Und in Mecklenburg-Vorpommern ist die Orgel in der Stralsunder Marienkirche, ursprünglich von Friedrich Albert Mehmel (1841), ein Juwel der Region.
Bedeutende Spuren von Arp Schnitger in Norddeutschland
Mehr erfahren über Leben und Werk von Arp Schnitger auf der Website der Arp Schnitger Gesellschaft
Der berühmte Orgelbauer hatte zunächst in Stade und dann in Hamburg seine Orgelwerkstatt. In den Jahren 1682 bis 1687 baute Arp Schnitger hier in der St. Nikolai-Kirche seine größte Orgel, die damals auch die größte der Welt war. Beim großen Stadtbrand von 1842 blieb von Turm, Kirche und Orgel allerdings nur ein Trümmerhaufen zurück.

Aktueller Artikel: In der heutigen Hauptkirche St. Nicolai in Hamburg steht seit 2023 eine neue Klais-Orgel
Orgelfachleute und Komponisten pilgerten in die St. Nikolai-Kirche, um die Orgel zu bestaunen und zu spielen. Unter ihnen waren Dietrich Buxtehude, Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach.
Bis in die kleinen norddeutschen Dörfer hinein war Schnitger nun bekannt, und es folgten Aufträge aus dem gesamten nordwestdeutschen Raum und aus den Niederlanden. Sogar aus England und Russland bekam er Aufträge, in Spanien und Portugal stehen noch heute Teile seiner Orgeln.
Ob Dom oder Dorfkirche: Bedeutende Orgeln auch in Schleswig-Holstein
Landeskirchenmusikdirektor Hans-Jürgen Wulf muss nicht lange überlegen, dann fallen ihm viele Instrumente ein, die Kleinode sind oder durch ihren besonderen Klang begeistern.
Mehr erfahren über die Sommerkirche in Welt
In der St. Michael-Kirche in Welt auf Eiderstedt stehe ein kleines romantisches Denkmal-Instrument: Eine Orgel von Wilhelm Sauer aus dem Jahr 1897. Die Kirche und ihr Instrument sind eine feste Größe auf Eiderstedt und im Veranstaltungsprogramm der Sommerkirche Welt.
St. Bartholomäus in Wesselburen in Dithmarschen besitzt ebenfalls eine Kostbarkeit: Eine barocke Orgel von Orgelbauer Johann Hinrich Klapmeyer von 1741, die mittlerweile vollständig wieder rekonstruiert wurde, so dass der ursprüngliche Klang wieder in voller Kraft zu hören ist.
Rückbesinnung auf die Tradition: Umbauten um Altes zu erhalten
Alle Termine und Informationen zum Langenhorner Orgelsommer - eine Konzertreihe mit Tradition.
Schon im Mittelalter gab es in Langenhorn in Nordfriesland eine Kirche, die im 17. Jahrhundert umgebaut und erweitert wurde. Johann Daniel Busch baute dort 1761 eine Orgel ein - dafür bekam er 5000 Mark, wie es auf der Website der Kirchengemeinde Langenhorn heißt.
Drei Generationen von Orgelbauern haben dann im Laufe der zwei Jahrhunderte zwar immer wieder Umbauten und Erweiterungen vorgenommen, doch der barocke Ursprung ist heute noch zu hören.
Auch in der großen Kirche St. Laurentii in Itzehoe waren die großen Pfeifen auf der Front der ursprünglich von Arp Schnitger entworfenen Orgel lange nicht zu hören, da sie um- und auch neu gebaut wurde. Doch ein Hamburger Orgelbauer erhielt im Jahr 2000 den Auftrag, diese Prospektpfeifen wieder spielbar zu machen.

Das Erbe von Werkstätten aus Mecklenburg und Pommern
In Mecklenburg und Pommern stehen noch heute historische Instrumente aus den bekannten Werkstätten von Friedrich Mehmel und Friedrich Wilhelm Winzer.
In Starkow, im Hinterland des Darß steht zum Beispiel eine gut erhaltene Mehmel-Orgel. Sie war seit den 1970er Jahren nicht mehr spielbar und wurde 2009 von der Firma Arnold aus Plau am See restauriert.

Mehr erfahren über die Geschichte der Greifswalder Marienkirche
Ein großer Schatz der Greifswalder Marienkirche ist auch hier die romantische Orgel von Friedrich Mehmel aus dem Jahr 1866.
Im Gegensatz zu vielen anderen historischen Orgeln ist sie durch die vergangenen Jahrzehnte hindurch in ihrem annähernd ursprünglichen Zustand und mit ihrem unverfälschten romantischen Klang erhalten geblieben, hießt es auf der Website der Kirche.

Orgelbauer Friedrich Wilhelm Winzer aus Wismar war ein weiterer angesehener Betrieb in Mecklenburg und Pommern. Hier schuf er zwischen 1840 und 1870 mehr als vierzig Orgeln. Vor allem in Wismar hatte er mehrere Instrumente gebaut, die allerdings alle nicht mehr erhalten sind.
Doch in zahlreichen Dörfern sind Klänge einer Winzer-Orgel noch zu bewundern.

Auch neue Orgeln werden noch eingebaut
Neben der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai mit ihrer Klais-Orgel, haben auch Heide und Bad Segeberg bedeutende neue Instrumente erhalten.
Jetzt eine Pfeifenpatenschaft für die neue Orgel in Heide übernehmen
In der St. Jürgen-Kirche in Heide steht jetzt eine Paschen-Orgel, die in den Weihnachtstagen 2024 eingeweiht wurde. Für die Gesamtkosten von rund 700 000 Euro werden noch Spender:innen gesucht, jede Pfeife zählt!
Und erst am 18. Mai in der Bad Segeberger Marienkirche die neue Winterthaler-Orgel eingeweiht worden - nach 17 Jahren Vorbereitung und Bau. "Ihr Klang vereint barocke und romantische Werke mit modernen Kompositionen und setzt einen besonderen Fokus auf die Kunst der Improvisation", heißt es auf der Website des Fördervereins, denn auch hierfür waren Spenden nötig.
Kulturelles Erbe und lebendige Tradition
Auch für Menschen, die nicht regelmäßig den Gottesdienst besuchen, sind Orgeln faszinierende Objekte: Sie verbinden Handwerkskunst, Akustik und Architektur zu einem Gesamtkunstwerk.
Viele Kirchen öffnen ihre Türen für Orgelkonzerte, bei denen die Instrumente in ihrer ganzen Klangpracht erlebbar werden – von Bach bis zu modernen Kompositionen. Wer sich für Kunst und Kultur interessiert, findet in der Orgel ein Stück lebendige Geschichte, das bis heute inspiriert.