Großbauprojekt

Sanierung des Eiderstedter Kirchenensembles beginnt

Endlich können die Arbeiten beginnen: Die St.-Nicolai-Kirche in Kotzenbüll ist eine von 16 Kirchen auf der Eidelstedter Halbinsel, die dringend saniert werden müssen.
Endlich können die Arbeiten beginnen: Die St.-Nicolai-Kirche in Kotzenbüll ist eine von 16 Kirchen auf der Eidelstedter Halbinsel, die dringend saniert werden müssen. © ES01/, CC-BY-SA-3.0/Wikimedia Commons

07. Dezember 2020

Die Kirchendichte auf der Nordsee-Halbinsel Eiderstedt ist europaweit einzigartig. Doch das Ensemble aus 18 historischen Dorfkirchen ist vom Verfall bedroht. Nach langen Verhandlungen soll die rund 19 Millionen Euro teure Sanierung jetzt starten.

Rissiges Mauerwerk, feuchte Wände und einsturzgefährdete Dächer: 16 der insgesamt 18 evangelischen Dorfkirchen auf der Halbinsel Eiderstedt (Kreis Nordfriesland) müssen dringend saniert werden, einige von ihnen sind einsturzgefährdet. 19,5 Millionen Euro wird die Wiederherstellung des Kirchenensembles kosten.

Bund trägt Hauptlast

Nach zähem Ringen um finanzielle Mittel und die Genehmigung von Bauanträgen kann es nun losgehen: Der Bund beteiligt sich mit 9,35 Millionen Euro, der Rest soll über Eigenmittel der Kirche, einen Zuschuss vom Land (500.000 Euro) und Spenden finanziert werden. Als erstes sind die beiden Kirchen in Oldenswort und Kotzenbüll dran. Bei ihnen ist laut Gutachtern der Schaden am größten. 

Derzeit werden mehreren Kirchen in Schleswig-Holstein saniert. Zu den bekanntesten gehört der Schleswiger Dom. 

Bisher kamen 350.000 Euro durch die Fundraising-Aktion "Eiderstedter Schutzengel" zusammen. "Mehr als 1000 Menschen haben gespendet", sagte Michael Goltz vom Projekt. "Mit so großem Zusammenhalt schaffen wir auch noch den Rest." Bischof Gothart Magaard sprach von einem "wichtigen Meilenstein für die Sanierung". 

Verfall schreitet rapide voran

Allein für die Nikolaikirche in Kotzenbüll sind 3,7 Millionen Euro Sanierungskosten veranschlagt. Ein eindrückliches Holständerwerk zieht sich durch das Kirchenschiff und stützt die durch einen Holzschwamm verrottenden Trägerbalken des Dachs. Ansonsten würde hier akute Einsturzgefahr drohen. Durch einen Holzschwamm verrotten die Trägerbalken. Hinter dem reich verzierten Schnitzaltar zieht sich ein Riss im Mauerwerk vom Boden bis ins Dach.

"Vor drei Jahren passte nur mein kleiner Finger in die Spalte, jetzt sind es schon drei", sagt Pastor Michael Goltz, der sich seit 2017 als Fundraiser für den Erhalt des Kirchenensembles stark macht.

In Hamburg werden ab 2021 die Hauptkirche St. Jacobi und die St. Trinitiatis Kirche in Altona aufwendig saniert. Mehr dazu hier. 

Die Bewegung im Fundament macht die Statik in den Mauern instabil. Die meisten Kirchen auf Eiderstedt wurden im 12. Jahrhundert noch auf Warften gebaut. Damals bestand Eiderstedt noch aus aus zwei Inseln und einer Halbinsel, der Boden war nass. Später wurden die Inseln zusammengelegt und dem Boden die Feuchtigkeit entzogen. Der trockene Boden gibt den Kirchen nun nicht mehr den nötigen Halt. Durch Temperaturunterschiede während der Jahreszeiten bewegt sich das Fundament und die Mauern gleich mit – im schlimmsten Fall bis zum Einsturz. 

Dächer stellen Gefahr dar

Dieses Phänomen macht auch der Kirchengemeinde St. Pankratius in Oldenswort zu schaffen. Wie an vielen Eiderstedter Kirchen wurden auch in Oldenswort die Außenwände nachträglich mit Zement verfugt – ein fataler Fehler. Wasser kann so in die weicheren Backsteine eindringen und diese auflösen. Immer wieder platzen Steinbrocken ab. Außerdem dringt Feuchtigkeit durch die Mauern ins Kircheninnere. Eine Wandmalerei des heiligen Christophorus wurde auf diese Weise schon stark beschädigt. 

Auch das Kirchendach ist kaputt – ein Grundproblem der Eiderstedter Kirchen. Die Dächer wurden aus englischen Schieferplatten zusammengenagelt. Die Nägel rosten aber mit der Zeit und verlieren ihre Köpfe. Bei starkem Wind fliegen immer wieder einzelne, messerscharfe Schieferplatten über die Kirchhöfe. "Bei 14 Kirchen müssen die Dächer komplett neu eingedeckt werden. Mit 100.000 neuen Schieferplatten entspricht das der Größe eines Fußballfeldes", sagt Goltz. 

Nur zwei Kirchen noch gut in Schuss

Neben den Kirchen in Oldenswort und Kotzenbüll stehen auch die Gotteshäuser in Garding, Katharinenheerd, Tating, Kating, Koldenbüttel, Osterhever, Poppenbüll, Tetenbüll, St. Peter-Dorf, Tönning, Uelvesbüll, Welt, Westerhever und Witzwort auf dem Sanierungsplan. Die St. Nikolai Kirche in St. Peter-Ording und die St. Martin Kirche in Vollerwiek sind die einzigen Kirchen, die nicht restauriert werden müssen.

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