Alternative Wege ins Pfarramt

Von der Biologin zur Theologin

Annabel Höpfner hat sich den Schritt ins zweite Studium gut überlegt. Ihr Ziel: Gemeindepastorin für Jung und Alt.
Annabel Höpfner hat sich den Schritt ins zweite Studium gut überlegt. Ihr Ziel: Gemeindepastorin für Jung und Alt. © Privat

16. Februar 2021 von Julia Krause

Annabel Höpfner gehört zur ersten Generation der Nordkirche, die den Pfarrberuf als Quereinsteigerin erlernt. An der Uni Greifswald hat sie bereits ihr erstes Theologie-Semester absolviert. Eigentlich ist sie jedoch Wissenschaftlerin. Wie das zusammenpasst? Ganz gut! Ein Porträt über eine Frau, die beherzt ihren Weg geht.

Eines steht fest: Annabel Höpfner hat sich den Schritt ins Studium gut überlegt. Insgesamt sechs Pastoren und Pastorinnen befragte sie ausgiebig nach ihren Erfahrungen im Job, bevor sie sich dazu entschloss, sich an der Uni Greifswald für den Weiterbildungsstudiengang "Master of Theological Studies" einzuschreiben.

Entwicklung in Etappen

Vielleicht liegt die rationale Herangehensweise in ihrem jetzigen Beruf begründet: Die Mutter von zwei Kindern ist Diplom-Biologin und Fakultätsreferentin an der Uni Bielefeld. In ihrem Job gibt es richtig oder falsch, ja oder nein. Wenn man sich festlegt, dann nicht aus einem Gefühl heraus, sondern weil man es weiß.

Dass der Sprung von der Wissenschaftlerin zur angehenden Pfarrerin von außen betrachtet einen Widerspruch darstellt, ist ihr bewusst. Wer ihre persönliche Geschichte erfährt, kann ihn aber auch als Etappensieg auf einer langen Reise sehen.

Denn an Glaubensfragen und kirchlicher Gemeinschaft interessiert ist Annabel Höpfner schon lange. Schon in ihrer Jugend sowie als Studentin und später auch Berufstätige engagierte sie sich ehrenamtlich in verschiedenen Kirchengemeinden. Frauenkreis, Kindergottesdienste, Musikarbeit sind nur einige der Projekte, um die sich kümmerte.

Durch Lebenserfahrung gestärkt 

Eine Option war der Pfarrberuf da aber noch lange nicht. "Ich war immer eng mit Kirche. Aber Pfarrerin werden? Ich war nie besonders sprachbegabt – und hatte in der Schule auch kein Latein. Zudem habe ich mich gar nicht getraut, vor anderen zu sprechen", sagt sie im Rückblick. Erst mit der Berufserfahrung wurde sie sicherer. "Heute bin ich es gewohnt, Vorträge zu halten. Diese Hürde ist gefallen", meint sie.

Mit Mitte 40 weiß sie nicht nur, wie man ein Team organisiert, zusammenhält und führt. Ihre Lebens- und Berufserfahrung hat ihr auch das Selbstbewusstsein gegeben, innezuhalten und zu überlegen, was ihr im Leben wirklich wichtig ist. In dieser Phase kam ihr erstmals die Idee, privates Engagement mit beruflicher Neuorientierung zu verbinden.

Was fehlte, waren praktikable Lösungen, erzählt sie. So gab es in anderen Landeskirchen zwar Ansätze, den Weg ins Pfarramt für Quereinsteigerinnen zu öffnen. Die Studienbedingungen waren jedoch nur schwer mit einem Vollzeitjob und Familienleben zu vereinbaren. "Die Tür fiel dann für mich erst einmal zu", erinnert sich Annabel Höpfner.

Nachbohren bis zur Gewissheit 

Bis ihre Schwägerin ihr einen Zeitungsartikel zeigte, in dem das Greifswalder Modell vorgestellt wurde. "Ich habe dann da angerufen und bin richtig mit offenen Armen empfangen worden", sagt Höpfner. "Das fühlte sich so gut und richtig an!"

Nachdem sie erfahren hatte, dass der Studiengang nur zwei Präsenzwochen pro Semester vorsieht, kein Latinum voraussetzt und EKD-weit anerkannt ist, verstärkte sich dieses Gefühl. Sie ging trotzdem auf Nummer sicher, bevor sie sich in Greifswald bewarb: Sie fragte nicht nur Familie und Freunde, was sie davon hielten. Sie bohrte auch bei mehreren Pastorinnen und Pastoren nach, worauf sie sich einstellen sollte. Darunter war auch einer, der seinen Beruf an den Nagel gehängt hatte. Sie fragte solange, bis der letzte ihr antworte: "Frau Höpfner, eigentlich haben Sie sich doch schon entschieden."

Heute erzählt sie diese Episode mit einem breiten Lächeln. Es ist offensichtlich: Sie freut sich riesig auf ihre Arbeit als Gemeindepastorin, auch wenn es bis dahin noch fünf Semester und ein Vikariat hin ist. "Ich will diesen ganzen bunten Blumenstrauß der Gemeindearbeit haben – von Kindern bis Senioren", sagt sie. "Und ich möchte damit lieber heute als morgen anfangen."

 

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