Serie: 25 Jahre Mauerfall

Wie ein kleiner Ort seinen neuen Bürgern half

"Deutschland einig Vaterland" – ein Trabi an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Helmstedt-Marienborn
"Deutschland einig Vaterland" – ein Trabi an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Helmstedt-Marienborn© iStock

07. November 2014 von Petra Döllefeld

Vor 25 Jahren fiel die Mauer – ein historisches Ereignis, auch für die Menschen in der heutigen Nordkirche. In einer Serie erzählen sie hier ihre Geschichte. Heute im Porträt: Kirchenvorsteher Uwe Möller und seine kleine Gemeinde aus der Nähe von Lübeck, die DDR-Bürger aufnahm.

Klein Wesenberg. Herbst 1989. Immer mehr DDR-Bürger verlassen ihr Land gen Westen. Unterkünfte werden dringend gesucht, jedes Bundesland ist aufgefordert, ein bestimmtes Kontingent an Übersiedlern aufzunehmen. Genau zu diesem Zeitpunkt wird der Umbau des Gemeindehauses in Klein Wesenberg bei Lübeck fertig.  Das Konfirmandenheim in der oberen Etage hat  Betten, Duschen und WC – geeignet für die Aufnahme von DDR-Bürgern, entscheidet das Amt Nordstormarn.

Uwe Möller, damals stellvertretender Kirchenvorsteher,  erinnert sich noch gut an die Aufforderung an die Kirchengemeinde. „Wir wurden beinahe dazu gezwungen: ‘Ihr müsst die Leute aufnehmen’, hieß es. Das Haus war ganz neu, der letzte Anstrich war gerade erst trocken“, erzählt der heute 78-Jährige.

 

„Wir hatten hier in der Gegend das einzige Gemeindehaus mit bewohnbaren Zimmern“, berichtet der heutige Klein Wesenberger Pastor Erhard Graf, was er aus Erzählungen der Gemeindemitglieder weiß. Sein Vorgänger Pastor Christian Uecker hatte damals gerade erst die Pastorenstelle angetreten.

In sieben Zimmern lebten 24 Menschen

Plötzlich lebten 24 Personen in den sieben Zimmern im Gemeindehaus. Küche und Kaminzimmer im Erdgeschoss dienten ihnen als Wohnbereich. Somit war das Gemeindehaus belegt. Gemeindeveranstaltungen konnten währenddessen nicht stattfinden.

„Das waren vor allem junge Familien, aber auch Alleinstehende“, erinnert sich Brigitte von Papen, damals Postfrau im Ort und von Berufs wegen eine der ersten, die mit den Neuankömmlingen zu tun hatte. Einige von ihnen holten bei ihr auch ihr 100 Euro Begrüßungsgeld ab. „Im Ort gab es auch keine Stimmung gegen die Aufnahme. Wir haben uns alle mitgefreut, als die Grenze geöffnet wurde.“ Die neuen Einwohner seien im Ort aber auch nicht groß aufgefallen, ergänzt Möller. „Die haben hier in aller Ruhe gelebt und geschaut, dass sie eine Wohnung finden“, beschreibt der Landwirt die Situation im Gemeindehaus.

"Nur zufällig" auf der richtigen Seite gelebt

Menschen aus dem Ort brachten Bettwäsche und Kleidung vorbei. „Wir wussten ja, dass sie nicht viel mitbringen konnten“, sagt Brigitte von Papen. Das sei angenommen worden. „Aber viel lieber waren ihnen ganz neue Sachen. Für sie war es eine große Sache, mal selber aussuchen zu können“, erzählt sie. Bestellungen aus Versandhauskatalogen waren sehr beliebt. „Ich habe noch nie so viele Pakete ausgetragen wie zu der Zeit“, sagt von Papen lachend. Die neue Freiheit bekam sie auch in anderen Gesprächen mit. Einmal sei ein junger Mann bei ihr auf der Post gewesen. „Ich kann das noch gar nicht glauben. Ich kann plötzlich alles sagen, was ich möchte“, erzählte dieser. „Wir haben nur zufällig auf der ‘richtigen’ Seite gelebt“, sagt von Papen nachdenklich.

Etwa ein halbes Jahr lang wohnen Menschen aus der DDR im Gemeindehaus in Klein Wesenberg. Einige finden schneller, andere erst nach einiger Zeit eine neue Bleibe im Umland. Einige gingen später auch wieder zurück in die Heimat. Im Kirchenvorstandsprotokoll vom Januar 1990 findet sich einer der wenigen Hinweise auf die Bewohner: „Pastor Uecker berichtet über Sorgen und Nöte unserer DDR-Übersiedler in unserem Gemeindehaus. Er bittet alle KV-Mitglieder, bei der Suche nach Wohnungen für die Übersiedler behilflich zu sein. Der KV hofft, das Haus zum 15. 3. wieder zur eigenen Verfügung zu haben. “ Bis zu diesem Datum ist der Vertrag zwischen Kirchengemeinde und dem Amt Nordstormarn genehmigt. Er wird noch bis Mai verlängert.

Heute übernachten Pilger  in den Etagenbetten von damals. Ein Stück des Jakobswegs führt direkt am Gemeindehaus vorbei.

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