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Interview in NDR Kulturradio

Käßmann: Ohne Luther keine Pastorinnen

18.04.2017 | Er war nicht nur ein Reformator der Kirche, sondern auch des Frauenbildes: Nach Ansicht der evangelischen Theologin Margot Käßmann hat Martin Luther (1483-1546) vor 500 Jahren den Weg für Frauen in der Kirche geebnet.

Die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017: Margot Käßmann
Die Botschafterin der EKD für das Reformationsjubiläum 2017: Margot Käßmann

Denn auch wenn einige seiner Zuschreibungen in puncto Haushaltsaufgaben kritisch zu bewerten seien, habe der Theologe den damaligen Frauen neue Möglichkeiten eröffnet, sagte die Reformationsbotschafterin der EKD in einem Interview mit NDR Kultur Radio in Hamburg.

Luther hat Heirat von ehemaligen Mönchen und Nonnen propagiert

Durch Luthers Überzeugung, dass jeder getaufte Mensch "Priester, Bischof, Papst" sei, habe er theologisch die Vorarbeit zur Zulassung von Frauen zum Pfarr- und Bischofsamt geleistet, betonte die ehemalige hannoversche Landesbischöfin. "Luther sagte, nicht nur wenn du im Zölibat, also im Kloster in Keuschheit lebst, bist du ein guter Mensch vor Gott, sondern auch mit Sexualität, Familie, Kindern, Gebären kannst du ein gutes, gerechtfertigtes Leben vor Gott führen". Deshalb habe er auch die Heirat von ehemaligen Mönchen und Nonnen propagiert.

Lust ist laut Luther erlaubt

Auch die Sexualität habe er durchaus sinnesfreudig gesehen, sagte Käßmann. Zwar habe er Katharina von Bora erst mit 41 Jahren geheiratet und bis dahin zölibatär als Mönch gelebt, "aber das, was er dazu sagt und schreibt, zeigt schon, dass Lust erlaubt ist". Er habe Sexualität als eine gute Gabe gesehen, auch wenn sie nicht aufs Kinderzeugen ausgerichtet war.

Viele bedeutende Schriftseller, Philosophen und Musiker stammen aus Pfarrhäusern

Auch die Bedeutung des evangelischen Pfarrhauses hob einstige EKD-Ratsvorsitzende positiv hervor. Allerdings: Sie wolle es allerdings auch nicht überhöhen. Käßmann zitierte den Spruch "Pfarrers Kinder, Müllers Vieh, gedeihen selten oder nie. Wenn sie aber wohlgeraten, spricht die Welt von ihren Taten". Schließlich hätten Literatur und Musik in vielen Pfarrhäusern eine große Rolle gespielt. So seien aus dieser Konstellation im Lauf der Zeit viele bedeutende Schriftsteller, Philosophen und Musiker hervorgegangen.