Ratgeber

Bestattung - Wenn der Ort zum Trauern fehlt

Urnenbeisetzung auf der Nordsee (Archivfoto)
Urnenbeisetzung auf der Nordsee (Archivfoto) © epd-bild / version/Jörn Neumann

06. September 2018 von Daniel Staffen-Quandt

Für manche Hinterbliebene sind Gräber auf dem Friedhof wegen der Grabpflege eine immense Belastung. Andere wünschen sich nichts sehnlicher, weil ihnen etwa durch eine anonyme oder Seebestattung ein besuchbarer Ort der Trauer fehlt.

Simone Feuerbach* kämpft mit den Tränen. Vor zwei Jahren ist ihre Mutter gestorben. Verarbeitet hat sie den Tod längst nicht. Damals ging alles so schnell. Diese starken Kopfschmerzen, immer öfter diese Übelkeit, der Gang zum Arzt, die Diagnose, Hirntumor, inoperabel. Zwei Monate später war die Mutter tot, die Asche wurde in der Nordsee bestattet - wie sie es verfügt hatte. Simone war innerlich immer dagegen. Von Helgoland aus fuhr das Schiff, die Tochter war dabei. Sie trauert bis heute.

"An Mamas Geburtstag, an Weihnachten, an den Gedenktagen im November ist es ganz besonders schlimm für mich", sagt die 59-Jährige, die selbst keine Geschwister, keinen Partner und keine Kinder hat. Wie ein wildes Tier irre sie dann in ihrer Würzburger Wohnung umher, auch draußen an der Luft findet sie keine Ruhe. Auch Wegfahren an diesen Tagen helfe nicht, sagt sie. Simone sucht einen Ort, an dem sie ihre Trauer abladen kann. Ein Grab, kein Koordinatenpunkt irgendwo auf hoher See.

Wenn der Ort zum Trauern fehlt

Gabriele Knaup ist Koordinatorin für die Hospizarbeit bei den Würzburger Maltesern, seit mehr als sechs Jahren macht sie Trauer- und Sterbebegleitung, schult Ehrenamtliche. "Es gibt immer wieder Hinterbliebene, die ein Problem damit haben, wie ein Verstorbener bestattet wird", sagt sie. Meist allerdings, weil die Beerdigung eher lieblos und nach Schema F ablaufe, wenig persönlich sei: "Dass den Hinterbliebenen langfristig ein fester Platz zum Trauern fehlt, kommt nur sehr selten vor."

Bei Simone Feuerbach ist das allerdings so. Die Mutter hat jedes Jahr Urlaub auf der Hochseeinsel gemacht, schon lange hatte sie den Wunsch, von dort aus auf See bestattet zu werden. "Die Feier auf dem Schiff war schön, keine Frage. Aber ich habe keinen Ort zur Zwiesprache. Wenn meine Freunde etwas belastet, gehen sie ans Grab ihrer Eltern und sprechen mit ihnen", sagt sie. Bilder der Mutter, Kerzen auf dem Fenstersims oder ähnliche Trauerorte seien für sie "nicht dasselbe".

Friedhof ist vor allem Ort der Lebenden

Trauerexpertin Knaup sagt, vielen Menschen helfen solche Ersatz-Orte für die Trauer, aber längst nicht allen. Denn: Der Friedhof war noch nie nur der Ort der Toten, sondern vor allem der Lebenden. "Man knüpft dort, gerade wenn man eher ein einsamer Mensch ist, leichter Kontakte zu anderen, die in einer ähnlichen Situation sind", sagt Knaup. Eine Stele oder Gedenktafel am Strand oder jährliche Gedenkfahrten zu den Bestattungsgebieten auf See könnten das freilich nicht adäquat ersetzen.

Ihre Kolleginnen und sie raten den Sterbenden und auch den Angehörigen und Freunden stets, sich auch über die Bestattung zu unterhalten, berichtet Knaup: "Nicht, um den Sterbenden von seinen Plänen abzubringen - diese 'letzte Freiheit' muss man akzeptieren." Als Angehöriger soll man aber durchaus auch sagen dürfen, wenn man damit persönlich nicht so gut zurechtkäme. Sei es, weil eben ein Ort der Trauer fehlen würde oder weil einem die Pflege eines Grabes zu belastend wäre.

Wenn Grabpflege zur Belastung wird

Das Problem der Grabpflege tauche in Gesprächen auch deutlich häufiger auf, sagt Knaup. Denn oft leben die Angehörigen nicht mehr dort, wo die Verstorbenen bestattet wurden. So wie Stefan Halm*. Seine Eltern starben kurz nacheinander vor rund fünf Jahren, beide hatten für sich ein Familiengrab ausgesucht. Die Grabpflege allerdings hatten sie damals nicht im Blick. Der Sohn kann und will aber nicht alle paar Wochen 200 Kilometer ins Fichtelgebirge fahren und das Grab instand setzen.

"Gerade in so einem heißen Sommer ist das auf diesem kleinen Dorffriedhof ohne Schatten schlimm. Man müsste zwei Mal täglich zum Gießen dorthin, so wie es die Hinterbliebenen im Dorf auch tun", sagt er. Er hat zwar nun einen Gärtner engagiert, der alle vier Wochen das Grab neu bepflanzt, aber einen "Gießdienst" kann er sich schlicht nicht leisten. "Die Angehörigen der Gräber außenrum gießen schon mal mit - aber sie tratschen dann auch im Dorf, wie wenig ich mich kümmere", erzählt er.

Frühzeitig über die Art der Bestattung reden

Gabriele Knaup rät deshalb, schon weit vor dem Todesfall solche Dinge zu besprechen - auch wenn es vielen Menschen nach wie vor unangenehm ist. Wer sich dagegen entscheidet, solche Themen im Vorfeld anzusprechen, der ist dann nachher eben oft unzufrieden, weiß sie aus Erfahrung. Wegen der unpersönlichen Trauerfeier, der aus Sicht der Hinterbliebenen zu aufwendigen Grabpflege oder eben auch, weil es keine individuelle, besuchbare Grabstätte gibt: "Miteinander Reden ist das A und O."

* Namen geändert
 

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