Buchdruck in Barth

Druckkunst im Bibelzentrum: So entsteht ein Buch

Karl und Sina setzen in der Museumswerkstatt Buchstaben für einen kleinen Postkartengruß.
Karl und Sina setzen in der Museumswerkstatt Buchstaben für einen kleinen Postkartengruß. © Julia Krause, Nordkirche

10. Juni 2026 von Julia Krause

Im Barther Bibelzentrum lernen Kinder und Erwachsene die Kunst des Buchdrucks. In den Werkstätten entdecken sie alte Techniken und können ihre Fertigkeiten auch gleich selbst ausprobieren. Unser Tipp für die Ferienzeit.

Es ist ein kleiner Zeitsprung: Im ersten Stock des Bibelzentrums sieht es aus wie vor mehreren hundert Jahren. Und das liegt nicht nur an den niedrigen Decken und knarzenden Holzdielen. Das Museum zeigt, wie der Buchdruck im Mittelalter funktionierte – und das teils mit Originalwerkzeugen zum Ausprobieren. 

Buchdruck war revolutionär

In einem Stübchen rollt eine Konfirmanden-Gruppe Tinte auf eine Buchstabenreihe, spannt Duckbögen ein und lässt die Walze über das Papier fahren. Es braucht ein wenig Kraft und macht Krach. Doch am Ende halten die Jugendlichen stolz ein kleines Blatt Papier in den Händen, auf dem in verschlungenen Buchstaben das Vater Unser auf Plattdeutsch zu lesen ist. 

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Die Produktion einer einzelnen Seite hat mehrere Minuten gebraucht, das Setzen der Buchstaben noch nicht eingerechnet. Doch was einem heute langsam erscheint, bedeutete damals eine unglaubliche Arbeits- und Zeitersparnis.

Bibelabschrift bedeutet harte Arbeit 

Denn bis zur Erfindung des Buchdrucks schrieben Mönche die Bibel per Hand ab, um sie zu vervielfältigen, erklärt Museumspädagoge Ulrich Kahle der Gruppe. Wie mühsam das war, können die Jugendlichen auch gleich selbst testen: In der Schreibstube liegt ein Tintenfass mit Feder bereit.

Federkiel und Tintenfass
Schreiben wie vor 300 Jahren: Im Bibelzentrum können die Gäste ausprobieren, wie es sich anfühlt, mit Tintenfass und Federkiel zu arbeiten. © Julia Krause, Nordkirche

Während Konfirmandin Sina noch mit dem Federkiel über das Papier kratzt, betrachtet ihr Mitstreiter Karl neugierig die altertümlichen Bücher in den Regalen. Museumspädagoge Kahle zieht ein besonders dickes Buch heraus. Mit seinem verzierten Ledereinband, den mit Gold beschichteten Blättern und den dicken Riemen sieht es aus wie ein Zauberbuch aus einem Märchen- oder Harry-Potter-Film. 

Gold fand praktische Verwendung

Ulrich Kahle geht damit jedoch wenig zimperlich um: Mit Schwung haut er auf den Einband. Der Verschlus springt mit einem Knall auf. Lachend erklärt er, dass der Begiff "ein Buch aufschlagen" aus dieser brachialen Praxis entstand: "Die Riemen waren so straff, dass es gar nicht anders ging", sagt der Museumspädagoge. 

Ulrich Kahle und Konfirmanden in der Schreibstube des Museums
Museumspädagoge Ulrich Kahle erklärt, wie der Begiff "ein Buch aufschlagen" entstanden ist. © Julia Krause, Nordkirche

Staunend betrachten die Konfirmanden auch die Beschichtung am Seitenrand. "Das ist der Goldschnitt", sagt Kahle. Damit wurden Bücher wie die Bibel wasserdicht gemacht. "Im Mittelalter war Blattgold das einzige Material, mit dem das ging", erklärt er. 

Barther Bibel hat Seltenheitswert 

Damit lenkt er die Gruppe zu einem weiteren Raum, in dem ein anderes Prachtstück des Museums liegt: die Barther Bibel. "Das sind 1680 Seiten hervorragende Qualität", sagt Kahle munter und deutet auf die Glasvitrine, in der das wertvolle Stück ausgestellt ist. 

Barther Bibel
Die Barther Bibel wurde vor mehr als 400 Jahren sehr kunstvoll gestaltet. Heute existieren nur noch wenige Exemplare. © Julia Krause, Nordkirche

Der Auftraggeber, Herzog Bogislav XIII, habe keine Kosten gescheut, um diese besonders schmucke Ausgabe zu produzieren. 500 Bibeln dieser Type ließ er 1588 herstellen, sagt Kahle. Sie lagen vorrangig auf den Altären der pommerschen Kirchen aus.

Vom Altar in die Haushalte 

Bald jedoch sollte die Bibel nicht mehr nur in Gotteshäusern gebraucht werden. Dank immer ausgefeilterer Techniken beschleunigte sich der Buchdruck über die Jahre so sehr, dass die Bibel zum Alltagsgegenstand wurde, der es in viele Haushalte schaffte. 

Walze in der Werkstatt des Bibelzentrums Barth
Selbstgemacht: Diese Postkarten wurden von den Konfis gedruckt. © Julia Krause, Nordkirche

Wer mag, kann sich aber noch heute an der mittelalterlichen Setz- und Druckkunst versuchen: In der Werkstatt des Museums können Besucher eigenhändig Postkarten bedrucken. Die Konfirmanden schließen ihren Besuch im Bibelzentrum Barth mit einem selbst gedruckten Gruß an ihre Eltern ab.

Öffnungszeiten 

Das Bibelzentrum ist ganzjährig von Dienstag bis Samstag zwischen zehn und 17 Uhr geöffnet. Am Sonntag kann es von 12 bis 17 Uhr besucht werden. Eine Führung durchs Haus kostet 4,50 pro Person. 

Wer es als Gruppe besuchen möchte, kann auch gesonderte Termine vereinbaren. Telefon: 038231-77662. E-Mail: info@bibelzentrum-barth.de.

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