Notfall-Seelsorge

Feuerwehr-Pastor Frank Conrads zurück aus dem Einsatz im Flut-Gebiet

Notfallseelsorger Frank Conrads im Einsatzgebiet im nordrhein-westfälischen Windhagen.
Notfallseelsorger Frank Conrads im Einsatzgebiet im nordrhein-westfälischen Windhagen.© Florian Büh / Mobiler Führungsstab des Landes Schleswig-Holstein

28. Juli 2021 von Timo Teggatz

Frank Conrads, Schleswig-Holsteins Notfall- und Feuerwehrseelsorger, hat in den Flutgebieten im Westen Deutschlands geholfen. Ihm und seinem Team setzten die schlimmen Bilder zu - und die lange Warterei.

Die Bilder von zerstörten Häusern und Straßen - Frank Conrads hat sie mit eigenen Augen gesehen. Fünf Tage lang war der Notfall- und Feuerwehrseelsorger für Schleswig-Holstein im Flutgebiet in Nordrhein-Westfalen unterwegs. "Es ist eine Herausforderung gewesen, die innere Distanz zu wahren", sagte der 52-Jährige nach seiner Rückkehr von dem schwierigen Einsatz.

Der Theologe hat das erste Kontingent von 700 Hilfskräften aus mehreren Hilfsorganisationen begleitet, das sich am Dienstag vergangener Woche aus dem Norden auf den Weg ins Katastrophengebiet machte. Conrads leitete ein Team aus elf Feuerwehrleuten, das für die Einsatz-Nachsorge zuständig war. Von "psychosozialer Notfallversorgung" spricht er und meint damit, dass Helfer die schlimmen Bilder, die sie bei ihren Einsätzen sehen, am besten verarbeiten, wenn sie darüber sprechen. Er und seine Leute waren als professionelle Gesprächspartner dort.

Warten in der "Chaos-Phase"

Bei dem Einsatz habe es einen außergewöhnlich hohen Gesprächsbedarf gegeben. Aber nicht immer ging es dabei um die Bilder von zerstörten Dörfern und verstorbenen Bewohnern. Für die Einsatzkräfte sei etwas anderes belastend gewesen, sagt Conrads: das Warten. "Das ist für Feuerwehrleute sehr ungewohnt." Normalerweise würden sie bei einem Alarm sofort mit Blaulicht zum Einsatzort fahren. Das sei in Nordrhein-Westfalen nicht immer möglich gewesen. In der "Chaos-Phase" nach dem Unglück mussten sich die leitenden Rettungskräfte erst einen Überblick verschaffen, die Gruppe musste warten. "Man wusste, dass die Not groß war. Und trotzdem konnte man nicht loslegen", erläutert der Nortorfer.

Stationiert waren die Einsatzkräfte aus dem Norden in Windhagen, das etwa 100 Kilometer von den betroffenen Gebieten entfernt liegt. Untergebracht waren sie etwa in der Grundschule und im Gemeindehaus. Conrads übernachtete in einem Feldbett in einer Turnhalle - mitten unter den Feuerwehrleuten. Jeden Tag sind sie in die Flutgebiete gefahren. Kein einfaches Unterfangen, weil Straßen beschädigt und Brücken eingestürzt sind. Manchmal hat eine Fahrt drei Stunden gedauert.

Im Einsatz waren die Teams unter anderem in Bad Neuenahr und im Landkreis Ahrweiler. Zu dritt sind er und seine Kollegen für Einsatznachsorge durch die Ortschaften gelaufen, um mit den Feuerwehrkollegen ins Gespräch zu kommen. Dabei sei es sehr gut gewesen, dass sein Team aus Feuerwehrleuten bestehe. So spreche man die gleiche Sprache.

Pastor ist selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr

Conrads selbst ist seit zehn Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Nortorf bei Neumünster. Seit 2014 arbeitet er als Beauftragter der Nordkirche für Notfall- und Feuerwehrseelsorge in Schleswig-Holstein. Zuvor war er Pastor in Nortorf. Jetzt bildet er etwa Notfallseelsorger aus, betreut sie und kümmert sich darum, dass die Notfallseelsorge in den Katastrophenschutz eingebunden wird.

Seelsorger aus dem Norden weiterhin im Einsatz

Conrads und sein Team haben ihren Einsatz bereits beendet. Doch für die Nordkirche geht die Seelsorge in den Flutgebieten weiter. Mehrere Seelsorger haben sich am Wochenende auf den Weg gemacht, um den von der Flut betroffenen Menschen beizustehen.

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