Buch-Hinweis: Taufengel in Pommern

„Mein Lieblingsengel kommt aus Groß Mohrdorf”

Taufengel in der Evangelischen Kirche Ferdinandshof
Taufengel in der Evangelischen Kirche Ferdinandshof© kirche-mv.de

27. März 2014 von Doreen Gliemann

Brigitte Becker-Carus fand über 150 Taufengel in pommerschen Kirchen. Vom hohen Gewölbe schwebten sie hinab in den Kirchenraum: Taufengel hatten sich im 18. Jahrhundert als ein typisch protestantisches Taufgerät in den Altarräumen der Kirchen eingebürgert. An Ketten aufgehängt, konnten die hölzernen Figuren mittels eines Zugsystems herunter gelassen werden. „Die Taufe kommt von Gott - diese Botschaft sollte über die Engel bildhaft transportiert werden”, sagt Brigitte Becker-Carus.

Zwölf Jahre lang hat die im westfälischen Münster lebende 74-Jährige Taufengeln in ihrer Heimat Pommern nachgespürt. Dass daraus nun ein Buch entstanden ist, sei anfangs nicht geplant gewesen. "Zunächst war es einfach nur Interesse, dann kam so etwas wie kriminalistischer Forschungsdrang dazu". Aufgewachsen ist Brigitte Becker-Carus in der vorpommerschen Kleinstadt Grimmen. In der dortigen Marienkirche stand "ein richtig großer Taufengel, der schaute so streng", erinnert sie sich.

„Die Taufengel in meiner pommerschen Heimat ließen mich nicht los”

Gern hätte sie schon damals herausgefunden, ob es in anderen Kirchen ähnliche Figuren gab, "aber weiter kam man ja nicht rum". Als junge Frau wurde ihr dann die ganze damalige DDR zu eng. Nachdem sie als Pfarrerskind nicht den gewünschten Studienplatz bekam, siedelte sie nach Westdeutschland über. Doch das Schicksal der Taufengel in ihrer pommerschen Heimat ließ sie nicht los. 2002 begann sie mit ihren Nachforschungen. "Es gab ja keine Liste, aber ich wollte die Taufengel sehen".

Deren Geschichte begann Ende des 17. Jahrhunderts, als die Schar der Gläubigen kaum noch Platz in den Kirchen fand. Seinerzeit hatten die Kirchen einen meist wuchtigen Taufstein am Altar stehen. Um mehr Platz für die Besucher zu schaffen, wurden die Taufsteine herausgenommen und stattdessen Engel an die Kirchendecke gehängt. Einige stehende Exemplare gibt es auch. Doch alle waren sie dem Zeitgeschmack unterworfen und wurden um 1900 aus den meisten Kirchen entfernt. „Barock war nicht mehr angesagt”, so Becker-Carus.

„Faszinierend: die Engel sind alle verschieden”

Mittlerweile weiß sie, dass auch nach mehr als zwei Jahrhunderten eine „erstaunliche Anzahl” von ihnen erhalten geblieben ist. 151 Taufengel hat die studierte Germanistin im gesamten pommerschen Gebiet ausfindig gemacht und dokumentiert. „Das Faszinierende an den Taufengeln ist, dass sie alle verschieden sind”, sagt sie. Viele hätten ihre Hände so geformt, dass sie eine Taufschale halten können. Andere hätten als Attribute einen Kranz oder eine Muschel in den Händen, in die das Taufwasser gefüllt wird. Die Muschel sei dabei das Symbol für die Empfängnis göttlicher Gnade, der Lorbeerkranz stehe für den Sieg über den Tod.

Bei ihren regelmäßigen Forschungsausfenthalten in Kirchen und Pfarrarchiven habe sie gelernt, sich an die Küster halten: „Die Pfarrer kommen und gehen, die Küster bleiben - und wissen unheimlich viel”. Dabei sei sie „immer scharf auf Rechenbücher” gewesen. Ein Eintrag dort war häufig ein erfolgversprechender Hinweis auf die Existenz eines Taufengels. Nicht alle von Becker-Carus dokumentierten Taufengel lassen sich heute noch finden. Dort, wo es sie noch gibt oder sie mit Hilfe der Münsteranerin wiedergefunden wurden, wächst das Interesse an ihnen wieder. So wie in Groß Mohrdorf bei Stralsund.

Küster sind das „Gedächtnis” der Kirchen 

Dort habe der Pastor auch nichts von der Existenz eines Taufengels gewusst, bis der Küster den Hinweis gab: "Der liegt doch seit Jahren da hinten unter der Treppe". Mühevoll wird der stark in Mitleidenschaft gezogene Engel nun seit einiger Zeit wieder restauriert. ”Er ist mein Lieblingsengel”, sagt Brigitte Becker-Carus, „es liegt soviel Melancholie in seinem Blick”. Doch bei all ihrer Freude über die allmähliche Rückkehr der Taufengel in die Kirchen, mahnt sie vorsichtig: „Taufengel sind nicht zur Dekoration einer Taufe da - sie sind mehr.”

Buch-Hinweis

Brigitte Becker-Carus: Taufengel in Pommern

Thomas Helms Verlag Schwerin, 212
216 Seiten, 174 Abbildungen, Landkarte, Literaturverzeichnis, Orts- und Personenregister. ISBN 987-3-940207-57-9, 34 Euro

www.thv.de

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