Morten Kauke im Interview

Tourismusbeauftragter ist "ein Schlaraffenland-Job"

Morten Kauke ist eine "Ein-Mann-Agentur" in Sachen Tourismusförderung in der Nordkirche. Ein Traumjob, sagt er.
Morten Kauke ist eine "Ein-Mann-Agentur" in Sachen Tourismusförderung in der Nordkirche. Ein Traumjob, sagt er. © Julia Krause, Nordkirche

10. Juli 2023 von Julia Krause

Morten Kauke ist Tourismusbeauftragter der Nordkirche. Doch was macht man in dem Job eigentlich? Und warum ist diese Aufgabe für die Nordkirche wichtig? Darüber sprach Julia Krause mit ihm im Interview.

Zehn Monate lang ist Morten Kauke nun in seinem neuen Job bei der Nordkirche. Dabei hätte er selbst wohl am wenigsten geglaubt, dass er mal im Auftrag der Kirche touristische Projekte vorantreibt. Denn eigentlich kommt er aus einer ganz anderen Branche: Er ist Markenstratege und Verpackungsdesigner, arbeitete mehrere Jahre als Kreativ Direktor bei einem großen Discounter, bevor er sich selbstständig machte und 2019 ein Theologiestudium begann.

Du bist so etwas wie das Paradebeispiel eines Quereinsteigers. Wie kommt’s, dass du umgesattelt bist und jetzt als Tourismusbeauftragter arbeitest?

Theologie wollte ich eigentlich schon früher studieren. Aber als ich 1994 mein Abitur in Nordfriesland gemacht habe, wusste ich gar nicht, ob das geht: als schwuler Mann Pastor werden. Also habe ich erstmal was anderes gemacht. Nachdem ich bei einem der größten internationalen Discounter gekündigt hatte, habe ich mich zunächst selbstständig gemacht und habe dann 2019 als Quereinsteiger das Theologiestudium in Hamburg begonnen.

Die Stellenausschreibung als Tourismusbeauftragter habe ich 2022 per Zufall entdeckt – und es einfach probiert. Ich war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht fertig mit dem Studium. Aber ich habe es auch eher als Weg begriffen, am Ende musste für mich nicht zwangsläufig eine Pfarrstelle stehen. Heute bin ich sehr glücklich darüber, dass ich Tourismusbeauftragter geworden bin, obwohl ich es nicht erwartet hatte.

Kontaktmöglichkeiten

Der Tourismusbeauftragter der Nordkirche hat sein Büro in der Königstraße 54 in Hamburg. Zu erreichen ist Morten Kauke unter der Nummer 040 30620-1231 oder per E-Mail: Morten.kauke@tourismus.nordkirche.de

Was ist das Schönste daran?

Dass meine Aufgaben einfach richtig spannend und erfüllend sind! Hier laufen ganz viele Aspekte zusammen: Kreatives, Künstlerisches, Psychologisches und Seelsorgerisches. Und ich kann gleichzeitig strategisches Wissen aus meinen früheren Joberfahrungen einbringen. Zum Beispiel bei der Frage: Was machen Räume mit einem? Wie müssen sie gestaltet sein, damit man sich darin wohl fühlt? Es ist mein persönlicher Schlaraffenland-Job.

Und was genau ist dein Job-Auftrag?

Meine Aufgabe ist die innovative und strategische Weiterentwicklung von Angeboten für Menschen, die auf dem Weg sind. Ich begleite und berate Gemeinden, die solche Angebote schaffen wollen. Das können etwa kirchliche Herbergen, Kulturangebote oder Erholungsräume sein. Ich bin sozusagen eine Ein-Mann-Agentur, die sagt, was möglich ist. Außerdem gehört auch der Austausch über touristische Themen auf EKD-Ebene und die Vernetzung nach Außen, etwa in die Bereiche Politik und Kultur, zu meinen Aufgaben.

Was sind denn aktuelle Tourismustrends?

Man kann sehen, dass der Bedarf im Bereich Fahrradtourismus und Low-Budget-Tourismus hoch ist. Das hängt einerseits mit dem Klimawandel zusammen, andererseits aber auch mit der aktuellen Energiekrise, die alles teurer macht. Seit Corona wollen zudem viele Menschen wieder im eigenen Land Urlaub machen. Diesen Trends kann Kirche positiv begegnen: Wir haben mit den Himmlischen Herbergen Unterkünfte im Gebiet der Nordkirche, die individuell und preiswert sind. Die Nachfrage ist hoch: Mitunter werden sie schon zwei Jahre im Voraus gebucht.

Ein anderer Trend ist der Campingurlaub. Der kann auch sehr umweltfreundlich sein. Einige Gemeinden haben wunderschöne Pfarrgärten, die sich zum Übernachten im Zelt anbieten. Auch Bauwagen sind eine Idee. Manchmal braucht es nur eine engagierte Gemeinde, in der alle mit anpacken und es entstehen tolle Projekte, die nicht nur aus touristischer Sicht wichtig sind, sondern auch das Gemeindeleben vor Ort beleben.

Das wäre dann eine Win-Win-Situation…

Genau. Das Gleiche gilt auch für die Offenen Kirchen: Studien zeigen, dass viele Touristen während ihres Urlaubs sehr gerne Kirchen besichtigen. Offene Kirchen sind aber nicht nur wichtig, um Gästen ein positives Bild unserer Kirche zu vermitteln. Sie sind auch Orte der Seelsorge. Wir haben in der Corona-Zeit gemerkt, dass uns die offenen Kirchen gefehlt haben. Es macht etwas mit einem, vor verschlossener Tür zu stehen. Das hat einen negativen Effekt auf uns Menschen. Wir brauchen diese Orte der Zuflucht. 

Und ich dachte beim Thema Tourismus und Kirche eher an Kulturveranstaltungen…

Die gibt es auch. Die Reihe  „Dorfkirche Mon Amour“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie Musik, Festival, Tourismus und Kirche zusammengehen. In diesem Jahr sind erstmals nicht nur Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern, sondern auch die Flussschifferkirche in Hamburg und die Hollingstedter Kirche in Schleswig-Holstein dabei. Die Reihe zeigt: Kirche ist auch außerhalb der Gottesdienste ein Raum für Treffpunkte, für ein gutes Miteinander. 

Was ist dein persönliches Lieblingsziel?

Mein Herzensland ist Schottland. Für mich gibt es nichts Schöneres als in die Highlands zu fahren. Es ist mir egal, ob es regnet oder mich die Mücken stechen. Dort wird man eins mit dem Außen. Das ist ein ganz magischer, spiritueller Ort für mich. Da hat die Schöpfung was Ordentliches hinbekommen. 

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