Unsere Botschaften zu Karfreitag: Hoffnung im Angesicht einer verletzten Welt
02. April 2026
Karfreitag ist einer der wichtigsten Feiertage für Christ:innen weltweit. Auch in diesem Jahr prägen Bilder von Krieg, Flucht und Zerstörung die Weltlage – und stellen die Frage nach Hoffnung neu. In ihren Karfreitagsbotschaften nehmen die Bischöfinnen und der Bischof der Nordkirche diese Erfahrungen auf und machen deutlich, dass Gott gerade dort zu finden ist, wo Menschen leiden.
Gott ist auch im Schmerz, in der Ohnmacht, in der scheinbaren Gottverlassenheit, daran erinnern unsere Bischöfinnen und unser Bischof. Gleichzeitig rufen zu Hoffnung und Versöhnung auf.
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt: Karfreitag ist ein Aufschrei gegen Hass und Entmenschlichung
Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt ruft in ihrer Karfreitagsbotschaft zu Mitgefühl und Versöhnung auf. „Still wird es am Karfreitag. Zwischen den Nachrichten von Gewalt und Krieg steht ein Kreuz“, sagt sie. „Wir alle wissen: Das ist kein Blick in eine ferne Vergangenheit. An so vielen Orten unserer Welt erleben Menschen Krieg, Gewalt, Hass, Armut, Einsamkeit und Ungerechtigkeit.“
Für Kristina Kühnbaum-Schmidt steht der leidende Christus am Kreuz für alle, die zu Opfern gemacht werden und die Hass und Gewalt erleben.
Versöhnung ist möglich. Kriege, Leid und Schmerz können beendet, Spaltungen überwunden werden.
Gerade in einer Zeit, die von Spannungen und Spaltungen geprägt ist – politisch, gesellschaftlich und oft auch im digitalen Raum – hält Karfreitag an einer anderen Perspektive fest: dem Einstehen für das Zeugnis der universalen Liebe.
Die Landesbischöfin teilt ihre Gedanken zu Karfreitag auch auf Instagram.
„Karfreitag erinnert daran, auch inmitten von Leid und Schmerz, in tiefster Dunkelheit und Verzweiflung das neue Leben Gottes zu erwarten. Es wird nicht dunkel bleiben. Ostern ist schon auf dem Weg“, so die Landesbischöfin.
Bischöfin Kirsten Fehrs: Mit-Leiden heißt, Menschlichkeit zu bewahren
Für Bischöfin Kirsten Fehrs führt Karfreitag mitten hinein in die Realität von Leid und Gewalt – und fordert dazu auf, sich dem nicht zu entziehen. Der Blick auf das Kreuz verbindet sich für die Bischöfin mit den aktuellen Krisen der Welt: mit den Kriegen in der Ukraine und im Nahen Osten, mit Zerstörung und Tod.
Karfreitag hält dazu an, nicht gleichgültig zu werden. „Wir dürfen uns nicht gewöhnen an den tausendfachen Tod“, so Bischöfin Kirsten Fehrs.
Das vergossene Blut klagt die Mächtigen an: Sucht Wege zu einem gerechten Frieden.
Zugleich richtet sie den Blick auf die Menschen vor Ort: auf Geflüchtete, auf Notleidende und auf eine Gesellschaft, die unter Druck steht. Menschlichkeit zu bewahren, füreinander da zu sein und die Würde jedes Einzelnen zu achten, sei entscheidend.
Bischöfin Fehrs teilt ihre Gedanken zu Karfreitag auch auf Instagram
Karfreitag erinnert schließlich auch an die christliche Hoffnung: dass Gott selbst das Leiden trägt und der Tod nicht das letzte Wort behält. Aus dieser Gewissheit wächst die Kraft, menschlich zu bleiben – und Hoffnung zu bewahren.
Bischöfin Nora Steen: Warum Versöhnung eine Kraft ist, die unsere Gesellschaft jetzt braucht
Für Bischöfin Nora Steen ist Karfreitag ein stiller Tag – einer, der bewusst einen Kontrast setzt zum oft lauten, schnellen Alltag. „Im Zentrum steht eine Erfahrung, die viele Menschen kennen, unabhängig von religiöser Bindung: Es gibt Schmerz, Brüche und Schuld im Leben, die sich nicht einfach lösen lassen“, sagt sie.
Gerade darin liegt die besondere Bedeutung dieses Tages. Karfreitag erinnert nach den Worten der Bischöfin daran, dass Leid zum Leben gehört. Gleichzeitig stellt dieser Tag eine Frage, die aktueller kaum sein könnte: Wie kann Versöhnung gelingen?
Karfreitag erinnert daran, dass Versöhnung nicht bei den ‚großen Lösungen‘ beginnt, sondern bei der Haltung jedes Einzelnen.
Bischöfin Nora Steen betont: „Versöhnung bedeutet in solchen Momenten nicht, das Geschehene ungeschehen zu machen. Sie verlangt auch nicht, Schmerz zu verdrängen.“ Vielmehr beginnt sie dort, wo Menschen den Mut finden, sich anzusehen in ihrem Schmerz und sich selbst und anderen gegenüber ehrlich zu werden.
Bischöfin Steen teilt ihre Gedanken zu Karfreitag auch auf Instagram.
Ein entscheidender Schritt auf diesem Weg sei die Bereitschaft, eigene Verletzlichkeit zu zeigen. Wo Menschen nicht nur Stärke demonstrieren, sondern auch Brüche und Grenzen sichtbar werden, kann Vertrauen entstehen. Die Bischöfin macht deutlich: „Versöhnung bedeutet deshalb nicht Schwäche, sondern den Mut, sich selbst und anderen ehrlich zu begegnen.“
Bischof Tilman Jeremias: Karfreitag zeigt Gottes Weg der Versöhnung
In seiner Karfreitagsbotschaft stellt Bischof Tilman Jeremias die Frage nach Schuld, Gewalt und Versöhnung in den Mittelpunkt. Ausgehend von der biblischen Erzählung von Esau und Jakob wird deutlich: Versöhnung beginnt nicht auf Augenhöhe, sondern als einseitige Tat der Gnade. Esau verzichtet auf Rache und eröffnet damit einen neuen Anfang.
Diesen Gedanken überträgt Tilman Jeremias auf das Kreuz Jesu Christi. Nach Worten des Apostels Paulus ist es Gott selbst, der in Christus die Welt mit sich versöhnt. „Gott hat unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet“, so der Bischof. Das Kreuz ist damit kein Zeichen des Scheiterns, sondern der Ort, an dem Gottes versöhnende Liebe wirksam wird.
Gott selbst hat in Christus die Welt mit sich versöhnt und uns das Wort der Versöhnung aufgerichtet.
Für Bischof Tilman Jeremias entzieht Gott so den Mächten von Gewalt, Hass und Ungerechtigkeit ihre letzte Macht. Gerade in einer Welt voller Krieg, Terror und Spaltung wird die Notwendigkeit dieser Versöhnung sichtbar. Karfreitag zeigt die Tiefe des Leidens – und zugleich die Hoffnung auf Neuanfang.
Bischof Jeremias teilt seine Gedanken zu Karfreitag auch auf Instagram.
Wer sich auf diese Botschaft einlässt, wird selbst verändert. „Wir kommen zusammen in der Gewissheit, dass der versöhnende Christus selbst in den Gaben von Brot und Wein unter uns ist und uns so verwandeln will, auch heute, verwandeln zu Botschafterinnen und Botschaftern der Versöhnung“, betont der Bischof.
