Bühne frei: Kirche wird zur Manege auf Usedom
09. Juni 2026
Auf Usedom wird die kleine Dorfkirche in Morgenitz am 20. und 21. Juni zur Manege. Eine Gruppe Kinder jongliert, zaubert und bringt als Clown die Gäste zum Lachen. Die Sommer-Aktion ist Teil unserer Reihe „Dorfkirche mon amour“.
Mitte Juni wird es in der Kirche laut: Es darf getanzt, geklatscht und gejubelt werden, wenn der Kinderzirkus seinen Auftritt hat. Gemeindepädagogin Vera Bäßmann sagt, warum sie es wichtig findet, Kindern diesen Freiraum zu bieten – und was das mit ihrer Gemeinde macht.

nordkirche.de: Bald ist es so weit: Ihre Kirche wird zur Manege. Was verbirgt sich hinter dieser Aktion?
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Vera Bäßmann: Wir bekommen an zwei Tagen Besuch von einem Gemeindepädagogen aus Pommern, der auch ausgebildeter Zirkuspädagoge ist. Der kommt also mit einem großen Fahrzeug und Anhänger, in dem ganz viel Zirkusmaterial ist: von Bällen über Zauberkisten bis hin zu Jonglierzeug. Das tragen wir alles in die Kirche und rollen große Matten aus. Die Kinder, die sich vorab angemeldet haben, können dann ausprobieren, was sie möchten. Und an zwei Tagen gibt es dann nachmittags eine öffentliche Aufführung direkt in der Kirche.
Warum machen Sie das?
Traditionen sind gut. Aber es braucht auch neue Formate, die unsere Kirche beleben. Und da bin ich auf die Idee gekommen, diesen Raum zu öffnen. Er wird ja sonst für eher ernsthafte Veranstaltungen wie Gottesdienste und liturgisches Singen genutzt. Aber wir haben eben auch die Möglichkeit, die Bänke zu verstellen oder komplett herauszunehmen, so dass man ganz neue Veranstaltungsmöglichkeiten hat.
Der Kirchengemeinderat hat zugestimmt, dass wir uns mit der Zirkusidee bei „Dorfkirche mon amour“ bewerben. Dass dafür Geld da ist, ist toll! Jetzt haben wir im Sommer ein Erlebnis, das zwar im Sakralraum stattfindet, dabei aber einen ganz eigenen Charakter hat.
Sie bauen die Kirche nicht zum ersten Mal zur Manege um. Wie waren die Reaktionen bisher?
Die Kirche ist natürlich ein ungewöhnlicher Ort für eine solche Aufführung. Die ersten Veranstaltungen fanden noch im Zelt vor der Kirche statt. Aber das ist zum einen nicht wetterbeständig. Zum anderen hören wir jetzt oft, wie schön das ist, dass in so einem alten Gemäuer so viel Lebendigkeit herrscht.
Hier können Kinder sich ausprobieren und ihre Selbstwirksamkeit entwickeln. Gerade von den Eltern wird das sehr positiv wahrgenommen. Und das, obwohl in unserem Landstrich nicht so viele in der Kirche beheimatet sind.
Das heißt, es beteiligen sich auch Menschen, die mit Kirche gar nichts zu tun haben?
Ja. Die Kirchenanbindung ist in unserer Gegend gering. Das ist schon ein Unterschied zum Westen. Ein Beispiel: Wer sich im Jugendalter konfirmieren lässt, macht das zwar mit dem Einverständnis der Eltern, aber nicht immer mit deren Wohlwollen.
Da freut es mich besonders, dass solche Angebote wie „Kirche wird zur Manege“ positive Erlebnisse schaffen.
Bei uns wurde letztens ein Mädchen konfirmiert und kurz vorher noch getauft, das genau so etwas wie Zirkus und Jugendgruppe erlebt hatte und sich aus diesem Grund für die Kirche entschieden hat. Aus solchen Angeboten erwächst der Wunsch dazuzugehören.
Ich glaube, so können wir hier einladend und bedeutsam sein: mit niedrigschwelligen Angeboten, die positive Erlebnisse und Gemeinschaft schaffen.
Die teilnehmenden Kinder haben sich schon angemeldet. Wie steht es mit den Gästen – dürfen auch Touristen kommen?
Ja, die Kirche und Aufführung stehen jedem offen. Natürlich kommen hauptsächlich die Eltern und Geschwister der Kinder. Aber wir hängen in der Gegend auch Plakate auf und laden herzlich dazu ein, unsere kleine Dorfkirche auf diese besondere Art zu erleben.
Und was wäre der bestmögliche Ausgang dieser Veranstaltung – was ist Ihr persönlicher Wunsch?
Das Beste wäre, wenn alle teilnehmenden Kinder ein Erfolgserlebnis haben.
Vielen Dank für das Gespräch!
