Mahnwache, Gebet, Konzert: Unsere Gedenkveranstaltungen zum 9. November
06. November 2026
Erinnern heißt Verantwortung für die Nachgeborenen übernehmen. Deshalb wollen wir zu verschiedenen Gedenkveranstaltungen einladen, die an die Opfer der Nationalsozialisten erinnern und deutlich machen, dass Frieden und Demokratie auch heute geschützt werden müssen.
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88 Jahre ist es her, dass die Nazis in einer groß angelegten Aktion Geschäfte plündern, Synagogen anzünden und Menschen überfielen. Mit den Pogromnächten wurde offensichtlich, dass die Verfolgung jüdischer Bürger und Bürgerinnen systematisch von staatlicher Seite geplant wurde. Der Holocaust war kein Zufall, sondern folgte dem perfiden Plan einer Diktatur.
Wir möchten daran mit mehreren Mahn- und Gedenkveranstaltungen erinnern. Einige von ihnen stellen wir hier exemplarisch vor.
Schweriner Mahnstunde erinnert an unsere Verantwortung
„Schon vergessen?!“ lautet der Titel einer Schweriner Veranstaltung, die am 9. November um 18 Uhr auf dem Schweriner Schlachtermarkt zum öffentlichen Gedenken einlädt. Organisiert wird sie vom Arbeitskreis „9. November 1938“ zusammen mit dem Landesrabbiner Yuriy Kadnykov und der Jüdischen Gemeinde Schwerin.
„Heute erleben wir erneut, wie antisemitische Einstellungen Raum gewinnen, wie die Verbrechen des Nationalsozialismus relativiert und historische Verantwortung infrage gestellt werden. Nationalistisch-autoritäre Kräfte versuchen, die Erinnerung an den Holocaust zu verdrängen oder zu instrumentalisieren“, so Karl-Georg Ohse, Sprecher des Arbeitskreises „9. November 1938“.
Gerade deshalb stelle die Gedenkstunde die Frage: „Schon vergessen?!“ Ohse: „Sie richtet sich an die Verantwortung der Nachgeborenen und erinnert daran, dass das Wissen um die Geschichte und die Bereitschaft, daraus Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen, unverzichtbar bleiben.“
Lübecker Friedensgebet für die Verfolgten
Im Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg steht der November im Zeichen der Friedensdekade. Ganze zwölf Veranstaltungen drehen sich um das Thema Friedensbildung und Demokratiestärkung. Dazu zählt auch ein Friedensgebet, das am 9. November um 18.30 Uhr in der St. Johannes-Kirche an die von den Nationalsozialisten Verfolgten und Ermordeten erinnert.
Unter dem Motto „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich“ wird der Opfer der Pogromnacht von 1938 gedacht. Geleitet wird der Gottesdienst von Pastor Albrecht Martins und unserem Ökumenepastor Kai Feller.
Hamburger Konzert zum leisen Widerstand
„Rebellion der Schmetterlinge – Protest nach Noten“ heißt eine Veranstaltung der Kirchengemeinde Eimsbüttel in Hamburg. Der Abend beginnt am 9. November um 19 Uhr mit einem Konzert der Sängerin und Pianistin Sybille Förster. Im Anschluss (20 Uhr) lädt Tobias Pfeifer, Beauftragter für den christlich-jüdischen Dialog in der Nordkirche, zum Impuls „Erinnern heißt widersprechen“ und anschließendem Gespräch.
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Im Mittelpunkt des Abends stehen Lieder, Gedichte und Texte, die von Widerstandskraft, Verletzlichkeit, Humor und der Freiheit der Kunst erzählen. Sie nehmen Bezug auf Künster und Künstlerinnen, die von den Nazis diffamiert und verfolgt wurden. Darunter sind etwa Friedrich Hollaender, Kurt Tucholsky, Bertolt Brecht, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko, Rose Ausländer und Georg Kreisler.
Die Veranstaltung erinnert daran, dass Widerstand nicht immer groß, sondern manchmal ganz leise beginnt. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass jede und jeder von uns gefragt ist, wenn es darum geht, Menschrenchtsverletzungen entgegenzutreten: „Wir erinnern, um wach zu bleiben. Und wir widersprechen, damit Menschenwürde, Vielfalt und Freiheit nicht zur Disposition stehen.“
